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Komödie
Genie & Schnauze
geschrieben von klaus_h am 16. Aug 2006
Without a Clue - Dr. Watson erfindet Sherlock Holmes
Dr. Watson (Ben Kingsley, "Ghandi", "Species", "War Inc.") hat ein Problem. Zwar besitzt er den kriminalistischen Spürsinn der von ihm geschaffenen Romanfigur Sherlock Holmes, aber niemand will etwas von einem "Kriminaldoktor" wissen. Stattdessen hängen sowohl die Polizei, die Presse und selbstverständlich die Fans an den Lippen des exzentrischen Holmes, für dessen Realisierung Watson den abgehalfterten, tumben und versoffenen Schauspieler Reginald Kincaid (Michael Caine, "The Weather Man", "Der stille Amerikaner") engagiert hat. Als dieser ihm zu selbständig wird, feuert er ihn. Doch keiner nimmt Watson allein ernst. Die Welt wartet auf Holmes...
Genie & Schnauze
GB/USA - 1988
Veröffentlichung: 16.08.06
Regie: Thom Eberhardt
Darsteller: Michael Caine, Ben Kingsley, Lysette Anthony, Jeffrey Jones, Nigel Davenport, Paul Freeman u.a.
"Nochmal"-Faktor: moderner Klassiker der Krimikomödie!
Unsere Wertung: 85%
FSK: ab 12
Laufzeit: 102 min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch /Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,78:1 (anamorph)
Untertitel: Fehlanzeige
Extras:
• 3-seitiges Booklet
• Dr. Watsons kniffliges Filmquiz
Wohl kaum eine andere Detektivserie - mit Ausnahme der Bände Agatha Christies - erfreut sich auch heute noch einer derart verschworenen Fangemeinde wie jene Bücher Arthur Conan Doyles, die mit "Studie in Scharlachrot" (1887) ihren Siegeszug begonnen hatten und seit der Veröffentlichung im Strand Magazine ab 1891 endgültig ihren Durchbruch zeitigen. Und das obwohl Doyle sich absolut zu seinem Vorbild Egar Allan Poe und dessen literarischer Figur August Dupin bekannte und von diesem die absolut logische Vorgehensweise übernahm.
Doch auf dem Höhepunkt des Erfolgs ließ Doyle seinen Helden sterben, da ihm seine anderen schriftstellerischen Erzeugnisse zu wenig gewürdigt wurden. Nach einem - aus heutiger Sicht - unrühmlichen publizistischen Intermezzo im Burenkrieg ließ er Holmes von den Toten wiederaufstehen. Doch indirekt hat er bis heute eine Flut von Nachahmern inspiriert, die seinem Stil verpflichtet waren und Sherlock Holmes selbst nach dem Tode Doyles 1930 weiterleben lassen wollten. Auch das Medium Film konnte dabei nicht zurück stecken und produzierte dabei eine z.T. erlesene Anzahl von schrägen Blüten: "Der Mann, der Sherlock Holmes war", "Das Privatleben des Sherlock Holmes", "Sherlock Holmes cleverer Bruder", "Das Geheimnis des verborgenen Tempels" etc.
Der hier von Komödienspezialist Thom Eberhardt ("Captain Ron") locker und versiert inszenierte Kriminalsatire bezieht ihren besonderen Reiz daraus, dass Watson nicht der Stichwortgeber ist sondern das eigentliche Genie, während Holmes ein blasierter Schürzenjäger und Trunkenbold ist, dem die simpelste Logik abgeht. Irgendwann werden Watson dessen Eskapaden zu viel, aber als er alleine den Raub der Druckplatten zur 5-Pfund-Note aufzuklären versucht, nimmt ihn niemand ernst. Nicht einmal Lestrade (Jeffrey Jones, "Dr. Doolittle 2"), der sich nun im Vorteil dünkt. Und schon gar nicht der Präsident der Notenbank (Nigel Davenport, "Ist ja irre-Reihe"), der von dem sich gerierenden "Kriminaldoktor" irritiert wird und auf der Einbeziehung Holmes' besteht.
Also muss Watson zu Kreuze kriechen und den großmäuligen Schauspieler Reginald Kincaid wieder rekrutieren. Gemeinsam fahren sie in den Lake District, wo wir skurrile Ermittlungen und Auswüchse des Fankults erleben dürfen. Als Watson allem Anschein nach bei einem nächtlichen Kampf mit dem teuflischen Prof. Moriaty (Freeman, "Indiana Jones", "Die Asse der stählernden Adler") in der Themse ertrinkt, ist Kincaid bald dem Selbstmord nahe. Denn nun hat er gemerkt, dass Watson sein einziger wirklicher Freund ist, obwohl dieser ihn ständig herumkommandiert. Auch wenn Kincaid völlig bewusst ist, dass er niemals dessen Scharfsinn besitzen wird, macht er sich eifrig an die Lösung des Falls...
Nur wenige Sherlock-Holmes-Parodien (vgl. "Kein Koks für Sherlock Holmes") sind derart leicht inszeniert und mit köstlichen Dialogen verziert wie diese Produktion, die in England an den Originalschauplätzen und in den Pinewood-Studios gedreht wurde. Die beiden Oskarpreisträger spielen sich hervorragend die Pointen zu. So gefiel mir Kingsley als überspannte und gereizte Diva (denn er bekommt ja schließlich nicht den Ruhm, den er verdient) ebenso gut wie Caine, der gleichermaßen zwei Rollen in einer verkörpert, was ihm sichtlichen Spaß gemacht hat. Beide Darsteller sind von ihren Standardsprechern hervorragend synchronisiert worden. Daneben verschwinden die Nebendarsteller - mit Ausnahme Jones - fast ins Bedeutungslose.
Bild und Ton lassen in keiner Weise zu wünschen übrig. Allerdings bemängele ich - ceterum censeo - das Fehlen der Untertitel. Gehörlose können schon nicht ins Kino gehen, sollen sie dann durch derartige Defizite doppelt benachteiligt werden? Denn dank eines netten Booklets, das zumindest die Hintergründe (inklusive einiger Tippfehler) ansprechend darstellt, hat man sonst den Eindruck, dass auch der Produktionsfirma an dem Film gelegen war.
Wer also ein Fan des Genres wie der genannten Schauspielgrößen ist, sollte sich den Film, der gar nicht mal so oft im TV zu sehen war, ruhig zulegen. Beschwingte Unterhaltung und skurril-scharfsinnige Wortduelle verkürzen einem den Feierabend. Da stört es nur wenig, wenn beim Showdown das Ganze ein wenig in den Slapstick früher Keystone-Cop-Komödien abgleitet. Und zu guter Letzt kann man Holmes Maxime ("Ich sehe nicht nur, ich beobachte!") an sich selbst überprüfen. 18 recht knifflige auf den Film bezogene Fragen müssen beantwortet werden, damit man die lobenden Stimmen der Darsteller hört und Kincaid am Ende den Fall für abgeschlossen erklärt. Doyle hätte wohl seinen Spaß daran gehabt.
(kh)