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Drama
Match Point
geschrieben von AngrySmiley am 26. Aug 2006
Sex, Lügen und Tennis
Der Stadtneurotiker hat eine neue Spielwiese gesucht und sie in Londons Upper Class gefunden. Nichts mehr von den guten alten Zeiten als er Manhattan "unsicher" machte, jetzt ist Europa dran. Aber Woody Allen hat nicht nur geographische Veränderungen vorgenommen, auch inhaltlich präsentiert sich sein neuer Film in neuem Gewand, hier gibt es nämlich nichts zu lachen, wirklich gar nichts. Aber bevor sich nun unzählige Fans des Jazz-Begeisterten Mannes geschockt abwenden noch schnell die Entwarnung: Woody Allen ist immer noch ein Meister seines Faches, und Match Point ist sein bester Film seit langem.
Match Point
GB 2005
Veröffentlichung:
24.08.2006
Regie: Woody Allen
mit:
Jonathan Rhys Meyers, Scarlett Johansson, Emily Mortimer u.a.
"Nochmal"-Faktor:
hoch
Unsere Wertung:
Film 100% Extras 30%
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. 119 Min.
Sprachen und Tonformate:
Dolby Digital Stereo (Deutsch, Englisch)
Bildformat:
1.78:1 Anamorphic Widescreen
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Extras:
Interviews
Galerie
Minifeatures
Trailer
In London will der Ire Chris sein Glück versuchen. Als ehemaliger Tennisprofi bekommt er schnell eine Anstellung als Tennislehrer in einem exklusiven Club und freundet sich noch schneller mit seinem Schüler Tom an. Dieser lädt ihn zu einem Abend in der Oper mit seiner schwerreichen Familie ein, wo er erstmals Chloe, Toms Schwester über den Weg läuft. Nach kurzer Zeit hat er eine Beziehung mit Chloe und einen Job im Unternehmen ihres Vaters. Aber Chris lernt auch Toms Verlobte, die Amerikanerin Nola kennen und fühlt sich zu ihr hingezogen. Nach der Heirat mit Chloe und der Trennung von Tom und Nola fängt Chris eine Affäre mit Nola an, und die ist mehr als verhängnisvoll.
Ich mochte Woody Allens Komödien ja schon immer, aber wenn er sich nach diesem Film dazu entschließen würde nur mehr solche Thriller-Dramen zu drehen, bin ich der erste der dieses Vorhaben unterstützt. Match Point lebt von Woody Allens Drehbuch und den darin vorkommenden Charakteren, und dass Allen großartige Figuren erschaffen kann ist ja kein Geheimnis. Hauptfigur Chris ist ein Antiheld der besten Sorte. An der Oberfläche ist er ein höflicher, gebildeter junger Mann, aber tief drinnen ist er ein eiskalter, berechnender Mensch, der über Leichen geht, wenn es die Situation verlangt. Seine Beziehung zu Chloe und ihrer Familie ist für ihn hauptsächlich das Sprungbrett in ein besseres Leben, von dem er immer schon geträumt hat.
Seine Ehefrau Chloe ist, im Gegensatz zu ihm, ein herzensguter Mensch, die mit Chris das große Glück gefunden hat. Zwar vermutet sie im Lauf des Filmes, dass er eine Affäre hat, wirft es ihm aber nie wirklich vor, da sie mit ihrer Ehe ansonsten zufrieden ist. Einzig ihr unerfüllter Kinderwunsch trennt sie noch von dem perfekten Leben das sie führen will. Zwischen den beiden steht natürlich Nola, zu der sich Chris auf fast animalische Weise hingezogen fühlt. Nola weiß um ihre Wirkung auf Männer und nutzt ihn auch aus, was ihr im Endeffekt zum Verhängnis wird.
Das Ende des Filmes, das hier natürlich nicht verraten wird, ist meiner Meinung nach eines der besten der letzen Jahre. Selten habe ich ein so böses Happy End gesehen, wenn man es so nennen will, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Dass der gesamte Film mit Opernmusik unterlegt ist, kommt nicht von ungefähr, immerhin erinnern die Handlung und speziell das Ende doch sehr an klassische Tragödien. Einzig die Szene in der Chris mit den Geistern spricht hätte man weglassen können, obwohl diese Sequenz seinen Seelenzustand sehr gut verdeutlicht und auch seine Beweggründe erklärt.
Allen bewies auch bei der Besetzung seines Dramas ein gutes Händchen. Jonathan Rhys Meyers (“Alexander“) ist die Idealbesetzung für den zurückhaltenden Antihelden Chris. Er spielt mit sehr viel Leidenschaft und man ist sich nie sicher ob er einem nun sympathisch ist oder nicht. Selbst in den Interviews über den Film merkt man ihm seine Begeisterung für die Rolle und den Film an. Scarlett Johansson (“Die Insel“, “Lovesong für Bobby Long“) kann als femme fatal ebenso überzeugen und ist, gleich wie Emily Mortimer, eine Augenweide.
So großartig der Film ist, so enttäuschend sind doch die Extras. Auf der Special Edition gibt es neben einer Bildergalerie und sehr kurzen Featurettes, die nichts weiter sind als kleine Trailer für den Film, ein paar Interviews mit den Darstellern und Meister Allen persönlich. Beherrscht werden diese Interviews von Schwärmereien über Cast und Crew, aber zumindest Jonathan Rhys Meyers und Woody Allen sprechen über die Hintergründe der Figuren und der Geschichte. Zwar sind die Interviews interessant, aber auf einer Special Edition erwarte ich mir doch mehr Extras.
Match Point ist ein großartiges Drama, dass mit einem hervorragenden Ende die Zuschauer fesselt und auch jedem zu denken gibt. Hätte man selbst auch so gehandelt, oder hätte man einen anderen Weg eingeschlagen? Da die Extras qualitativ wie quantitativ hinter den Erwartungen bleiben wird es reichen sich auf die Single Disc Edition zu stürzen, aber entgehen lassen sollte man sich diesen Film keinesfalls. (sd)
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