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Komödie
Mord und Margaritas
geschrieben von klaus_h am 07. Sep 2006
Matador - Tot beim ersten Stich
Wie rächt sich ein beliebter Kinoserien-Darsteller am besten, nachdem man ihn aus seiner Lieblingsrolle ausgebootet hat? Doch wohl, indem er sich gleichermaßen über sein früheres Rollenklischee lustig macht und allen Kritikern zeigt, dass er als Schauspieler echte Klasse besitzt. Genau dies macht Pierce Brosnan (Remington Steele, James Bond) auf sehr amüsante und unterhaltsame Weise mit seiner Rolle als leicht proletenhafter, versoffener Profikiller Julian Nobel - der Anti-"James Bond" schlechthin.
Mord und Margaritas
USA - 2006
Veröffentlichung: 07.09.06
Regie: Richard Shepard
Darsteller: Pierce Brosnan, Greg Kinnear, Hope Davis
u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 100%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 93 min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras:
• Audiokommentar mit Regisseur Shepard
• Audiokommentar mit Regisseur Shepard, Brosnan und Kinnear
• Making of
• Entfallene Szenen mit zuschaltbarem Kommentar (m. UT) des Regisseurs
Der "Vermittler von Todesfällen" Julian hat es langsam satt. Von Auftragsmord zu Auftragsmord in der Weltgeschichte jetten, nirgendwo zu Hause, von schnellen Nümmerchen mit willigem Personal, nymphomanischen Hausfrauen und Damen des horizontalen Gewerbes und dem Fehlen echter sozialer Bindungen ist er langsam ausgelaugt. Da helfen ihm selbst seine geliebten Margaritas in Mexiko City kaum über seine Leere, die ihn mit Panikattacken überfällt. Zu allem Übel lässt die frühere legendäre Perfektion gleich beim ersten Mal stilvoll zu töten - einem Matador (O-Titel) gleich - immer stärker nach. Seine Auftragsgeber werden langsam nervös.
Bereits die Einstiegssequenz, in der er neben einer nackten unbekannten Schönen aufwacht, folgt perfiderweise nach dem klassischen 007-Muster. Aber würde Gentleman James sich zunächst deren "Arschgeweih" anschauen, um festzustellen mit wem er da gerade das Lager geteilt hat? Sieht James Bond am Morgen aus wie ein zerknitterter Kartoffelsack? Durchkramt der Agent mit der Lizenz zum Töten (!) seinerseits das Handtäschchen der Prostituierten (!), um sich mit dem gefundenen Nagellack seinen eigenen gesplitterten Fußnagel zu kitten? Wohl kaum, aber Julian Noble lebt fast nach dem Buch "100 Dinge, die James Bond nie machen würde."
Dabei spielt Brosnan sehr versiert gegen sein Rollenklischee an. Obwohl er stellenweise ein unglaubliches verlogenes Ekelpaket verkörpert, hat man Mitleid mit ihm. Eines Abends trifft er zwischen zwei Jobs den "average guy", den braven Geschäftsmann Danny Wright (Greg Kinnear, "Auto Focus", "Fast Food Nation", "Godsend") in der Cocktailbar. Obwohl dieser das genaue Gegenteil von ihm ist, erweckt der schüchterne Mann seine Zuneigung. Und Julian braucht dringend einen Freund. Was Danny seinerseits bei Julian fasziniert, ist dessen Kaltschnäuzigkeit und Selbstbewusstsein - etwas, was ihm nach den tragischen Tod seines Kindes völlig abgeht. Aber noch weiß er nicht, welchen Beruf der neue Freund hat und um welchen Gefallen ihn dieser bald bitten wird...
Regisseur Richard Shepard ("Hunting Party") ist mit seiner ersten großen Produktion, die auf seinem eigenen Skript beruht, ein feines Stückchen Thrillerkomödie gelungen. Präsentiert durch den herausragenden Kameramann "Doc" David Tattersall ("Die another day", "Krieg der Sterne") besitzt der Film sogar eine sehr edle Optik, die ihre Hauptdarsteller in bestem Licht erscheinen lässt.
Brosnan hatte ich schon gelobt, aber Greg Kinnear, den er übrigens für dessen Timing sehr schätzt, steht ihm in keiner Weise nach. Wie dieser den Wechsel von anfänglichem Unglauben hin zu bubenhafter Faszination nach Brosnans Offenbarung spielt, macht großen Spaß zu sehen. Ebenso schön der Wechsel von Begeisterung hin zu tragischem Entsetzen, als Noble auf seinem Vorschlag hin, ihm zu zeigen, wie man denn einen Menschen umbringe, ihm dies allzu realistisch in den Katakomben einer Stierkampfarena vorspielt. Nicht zu vergessen ist die im Moment aus fast keiner guten Hollywood-Produktion wegzudenkende Hope Davis ("The Weather Man", "Der Beweis", "Der große Bluff - Das Howard Hughes Komplott"), die hier seine fest zu ihm haltende Ehefrau spielt.
Allein die Szenen, als sie völlig fassungslos in ihrem weihnachtlichen Wohnzimmer mit einem leibhaftigen Killer konfrontiert wird, und im Original nur mit den übelsten englischen Flüchen mit vier Buchstaben reagiert oder beim Schäferstündchen mit Danny auf dem Trockner zum Orgasmus geschaukelt wird, karikiert ihr eigenes Rollenklischee als der braven Hausfrau hervorragend.
Bild und Ton entsprechen dem hohen Niveau, dass man bei Miramax/Buena Vista-Produktionen erwarten darf. Der Score ist passend aus vorhandenen Stücken der Musikgeschichte ausgewählt worden. Die Extras sind ausführlich und gut kommentiert. Selbst der immer heikle Audiokommentar von Regisseur und Hauptdarstellern gerät zur großen Lachnummer, wenn die drei sich ständig "auf die Schippe nehmen" und dennoch nicht vergessen den Film zu kommentieren. Zu unserem großen Glück beschert uns die DVD einige geniale Szenen, die leider aufgrund des bornierten Testpublikums, der Redudanz oder der in den USA grassierenden Sucht Filme von 120 min auf bestenfalls 90 min zu stutzen, aus dem Film entfernt wurden. Noch ein Grund den Kinogang zu meiden und gleich das eigentliche Kunstwerk zu kaufen.
Elegant, philosophisch und auf angenehme Weise mit geistreichen und witzigen Pointen gespickt, gehört der Film für mich neben "Grosse Point Black" zu den besten Thriller-Komödien über Killer. Jeder der einen Faible für pechschwarze Komödien und skurrile Figuren hat, wird ihn mögen. Übrigens kann man aufgrund unserer Bilder im Artikel sehr schön nachverfolgen, dass Danny nicht nur äußerlich (Schnäuzer, Scheitel, Brille) eine Wandlung durchmacht. Auf jeden Fall anschauen!
(kh)