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Action
Hudson Hawk - SE
geschrieben von klaus_h am 11. Sep 2006
Ein Meisterdieb behält die Ruhe und bekommt das Mädchen
Bruce Willis ("Sin City", "Lucky # Slevin") hatte kurz nach seiner Erfolgsserie "Das Modell und der Schnüffler", die ihn nach Hollywood katapultierte,die findige Idee zur Story und überzeugte auch seinen Lieblings-Produzenten Joel Silver ("Stirb langsam I & II") zu dieser schrillen Gangsterkomödie im Stile der frühen 90er Jahre. Passend zum 15-jährigen Jubliäum (was man nicht alles feiert, um Kohle zu machen), bringt Sony Pictures nun dieses kunterbunte Knallbonbon heraus, das bei Fans als Kult gilt, obwohl der Film seinerzeit an den Kassen floppte.
Hudson Hawk
USA - 1991
Veröffentlichung: 05.09.06
Regie: Michael Lehmann
Darsteller: Bruce Willis, Danny Aiello, Andie MacDowell, Richard E. Grant, Sandra Bernhard, James Coburn u.a.
"Nochmal"-Faktor: mittel bis hoch
Unsere Wertung: 80%
FSK: ab 16
Laufzeit: 96 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte
Extras:
• Audiokommentar mit Regisseur Michael Lehmann
• Interview mit Silver und Willis
• Interview mit Sandra Bernhard
• Making of
• Entfallene Szenen mit zuschaltbarem Kommentar (m. UT) des Regisseurs
Hudson Hawk kommt gerade aus dem Knast, da wird er schon von allen Seiten bedrängt einen neuen Coup zu landen: Allen voran sein schleimiger Bewährungshelfer(!), die fiesen Mafiosi-Brüder "Mario Brothers", undurchsichtige ehemalige CIA-Agenten und ein größenwahnsinniges Millionärsehepaar, das nichts weniger als die Weltherrschaft mit einer rotierenden Goldmaschine aus dem Repertoir Leonardo da Vincis anstrebt. Hawk soll nämlich jenes Bronzepferd stehlen, indem da Vinci den Teil eins Prismas versteckte, mit dem er ungewollt Gold statt Blei herstellte.
Die einzigen Lichtblicke aus der Sicht Hawks sind sein alter Partner Tommy Five-Tone (Aiello) und die süße Kunstsachverständige des Vatikans, Anna (Mac Dowell). Bei letzterer ahnen wir schon rasch, dass sie die Agentin des Papstes ist oder vielleicht gar eine Nonne mit der Lizenz zum Flirten? Kurzum, die Story ist absolut unglaubwürdig, aber zu unserem Glück über weite Strecken so schön gespickt mit amüsanten Wortduellen und turbulenten Actionszenen, dass man darüber hinweg sehen mag.
Allerdings sollte man sich den Film besser in der englischen Orginalversion gönnen, da die deutsche Synchronisation besonders in den ersten zehn Minuten (da Vincis viel zu breit ausgewalzte Entdeckung) auf "Teufel-komm-raus" komisch sein möchte und sich damit einen Bärendienst erwies. So kann ich mich noch gut daran erinnern, dass gerade die deutschsprachige Kritik den Film deswegen damals zumindest in diesem Punkt völlig zu recht verriss. Die schönen Doppeldeutigkeiten, die Willis und Aiello so schön über die Lippen kommen, machen einfach mehr Spaß im Original.
Willis, Aiello und McDowell spielen besonders gut aufgelegt, aber auch die Nebenrollen drehen groß auf. Allen voran Richard E. Grant ("L.A. Story") und Sandra Bernhard ("King Of Comedy", "Ally McBeal") als das wohl durchgeknallteste Ehepaar der Filmgeschichte mit dem bezeichnenden Namen Darwin und Minerva Mayflower. Wer die Bernhard nicht gesehen hat als skurrile Mischung aus Bette Davis und Cruella DeVille, hat wirklich etwas verpasst. Auch der jüngst verstorbene James Coburn ("Immer wenn er Dollars roch", "Payday") als alternder Agentenschreck, der seine Teammitglieder - darunter "CSI Miami"-Boss David Caruso in einem frühen Auftritt als Pantomime "Kitkat" - allesamt nach Schokoriegel benennt, hat seine Rolle offensichtlich mit Spaß verkörpert.
Die Stunts und technischen Tricks hatten in vielen Punkten Vorbildcharakter für spätere Produktionen und vom Speed her verwundert es nicht, dass man damals wohl an etwas ähnliches wie die "Indiana Jones"-Reihe gedacht hatte. Aber dafür war der Handlungsfaden wohl etwas zu zerfasert und der Humor dann doch für den breiten Publikumsgeschmack entweder zu schwarz oder zu gewöhnlich.
Dass man viel zu viel Material gedreht hatte, wird bei den zusätzlichen Szenen deutlich, die zwar alle interessant sind, aber verdeutlichen, dass manchmal doch "weniger mehr ist". Die Interviews sind spaßig und ironisch. Zu meinem großen Erstaunen ist die zickig-dürre Bernhard sogar die einzige Person, die heute jünger aussieht als damals.
Die Bildqualität ist absolut zufriedenstellend, der Ton gut und die Filmmusik von Michael Kamen ohnehin eines seiner besten Werke. Mein Anspieltipp in dieser Richtung ist daher "Stealing the Codex", als Hawk den Codex (!) aus den vatikanischen Museen klaut.
Wer also immer noch das "Kind im Manne" in sich spürt und bereits bei 90er-Jahre-Filmen so große Nostalgiewandlungen in sich aufkommen spürt, dass ihm eine sich leicht verzettelnde Regie und ein dünnes Drehbuch egal sind, der ist mit dieser gut aufbearbeiten DVD bestens beraten. (kh)
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