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Männersache

Beiträge / Komödie
geschrieben von DvB am 09.10.2009, 00:00 Uhr

Weil Männersache... ein Desaster ist!

Cover Man sollte nie mit Vorurteilen und vom Hörensagen geprägter Denkweise an Dinge heran gehen. Denn sonst läuft man Gefahr, durch die vorgefertigte Meinung und dadurch aufgebaute innere Mauern das Substanzielle und Positive zu übersehen. So verhält es sich auch mit dem Film "Männersache" von Mario Barth. So schlimm, wie man erwarten könnte, ist der Streifen gar nicht. Er ist noch viel schlimmer, als man es sich in seinen gruseligsten Vorstellungen erträumen könnte. Wir haben es hier mit einem ausgemachten Super-Gau des deutschen Films zu tun.

Männersache
D 2009
Veröffentlichung: 01.10.2009
Regie: Gernot Roll
mit: Mario Barth, Dieter Tappert, Anja Kling, Michael Gwisdek, Jürgen Vogel u.a.
"Nochmal"-Faktor: nur die Szene mit dem schwulen Moderator, den Rest bitte nie wieder
Unsere Wertung: 10%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 92 Minuten + ca. 33 Minuten Extras
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS
Bildformat: 1.85:1 in 16:9
Untertitel: keine
Extras:
  • Making of
  • Mario Barth am Set
  • Darstellerinfos
  • Mario Barth ist erfolgreich. Um nicht zu sagen megaerfolgreich. Das Booklet in der DVD weist auf, dass der Berliner fast 80 Gold- und Platin-DVDs bzw. -schallplatten in seiner Wohnung hängen hat. Seine beiden CDs von seinen Comedy-Programmen verkauften sich zusammen 1,2 Millionen Mal. Er hält den Weltrekord im Bereich „Live-Comedy mit den meisten Zuschauern“. 70.000 kamen ins Berliner Olympiastadion, als Barth dort auftrat. Dabei ist das nur im weitesten Sinne Comedy, was er macht. Denn es fehlen einfach die Pointen. Er erzählt lediglich Alltagsgeschichten – aber das macht er ziemlich gut.

    BeispielDer Erfolg ist leicht zu erklären. Der Mensch möchte verstehen. Und die Dinge, die Mario Barth erzählt, sind leicht zu verstehen. Und jeder kann sie nachvollziehen. Denn seine Programme mit den unglaublich unkreativen Titeln „Männer sind Schweine, Frauen aber auch“ und „Männer sind primitiv, aber glücklich“ drehen sich nur um das eine: skurrile Situationen in der Partnerschaft und für Männer unverständliche Aktionen der Frau.

    Und genau so einfach ist auch der Plot des Films „Männersache“. Und vor allem schnell erzählt: Mario Barth spielt Paul, einen ziemlich erfolglosen Comedian. Erst als er beginnt, Witze über seinen Freund Hotte (Dieter Tappert) und dessen Freundin Susi (Anja Kling, "Wir sind das Volk" [1], "Wo ist Fred?" [2]) zu erzählen, rast das Publikum. Das Paar ist darüber natürlich nicht begeistert. Und Paul muss sich nun entscheiden: Riesiger Erfolg oder Freundschaft.

    BeispielEigentlich ist das die reale Geschichte des Mario Barth. Denn seine Programme bestehen nur aus Geschichten, die er mit seiner Freundin erlebt und Dinge, die sie ihm erzählt. Sie ist aber darüber angeblich nicht sauer, dass er sie vor einem Millionenpublikum bloßstellt. Allerdings ist bisher auch noch nicht überliefert, wer die Angetraute ist. Die Dame wird wissen, warum sie sich nie in der Öffentlichkeit zeigt. Da Mario Barth eine riesige Fanbase hat, war der Kinofilm natürlich mit 1,6 Millionen Zuschauer ein schöner Erfolg. Kritiken in den Zeitungen hoben vor allem die Darstellung von Dieter Tappert, der den Hotte spielt, hervor. Aber das wirkt im Nachhinein so, wie früher in der Schule. Statt der erwarteten 5 überreicht der Lehrer einem die Klassenarbeit mit der Note 4. Besser als erwartet, immerhin.

    Dieter Tappert, der hinter der Kunstfigur Paul Panzer steckt und damit kolossal nervt, ist tatsächlich schauspielerisch viel besser als Mario Barth. Aber das genügt halt nur für dümmliche Komödien. Mario Barth spielt sich dagegen eigentlich nur selbst. Schlimm genug, dass er auch noch einige andere Rollen übernahm. Besonders unlustig ist er als polnischer Bauarbeiter Marek. Und Anja Kling lässt sich problemlos auf das Niveau herunter ziehen und liefert in „Männersachen“ wohl die schlechteste Leistung ihrer Karriere ab. Besonders peinlich wird es bei einer Wutszene. Susi bittet Hotte freundlich lächelnd, ihr zu sagen, was ihn bedrückt, sie werde auch nicht ausrasten, verspricht sie. Im nächsten Moment legt Anja Kling einen Ausraster an den Tag, der irgendwie zum Fremdschämen geeignet ist. Denn ihr fallen sichtlich die Worte nicht ein und stammelt nur daher. Der Gag ist nicht nur absolut vorhersehbar, sondern auch noch schlecht durchgeführt. Und Sido beweist später im Film Selbstironie, bringt den Zuschauer aber noch nicht mal zum Schmunzeln.

    Beispiel Es gibt aber auch einige Lichtblicke. Jürgen Vogel in einem kurzen Gastauftritt gehört sicherlich dazu, obwohl man ihn langsam fragen sollte, ob er sich inzwischen für nix mehr zu schade ist. Michael Gwisdek als Pauls Vater gehört auch zu den positiven Dingen des Films. Genau wie Michael Lott als verklemmt-verärgerter Nachbar und Thomas Thieme als prolliger Chef. Und sogar Uwe Ochsenknecht fällt als vornehmer Vater von Susi gar nicht mal so negativ auf. Das Beste am Film ist allerdings der Kurzauftritt des schwulen Moderators, dargestellt von Victor Schefé. All das kann den desaströsen Gesamteindruck aber nicht retten.

    Und auch nicht die durchaus ansehnlichen Extras. Die sind vorhanden, und zwar mit einem Making of und dem 13-minütigen „Mario Barth am Set“. Aber wenn Dieter Tappert dort von sich und Mario Barth sagt, dass beide ein wenig „verrückt“ sind und eine „Naturmacke“ haben, verdeutlicht das schon das Problem. Zumindest das von Tappert. Denn wer von sich selber meint, dass er doch total verrückt sei, der ist meistens sowas von normal und unlustig. Und genau so präsentiert sich Dieter Tappert dann auch. Schon teilweise ins Spießige und Konservative abdriftend.

    Beispiel In den ganzen Extras wird deutlich, dass Mario Barth eigentlich über alles lachen kann. Sei es, wenn ein Glas kaputt geht oder irgendjemand etwas Banales sagt. Dieter Tappert kann da nicht ganz mithalten. Er wirkt ernster, verbissener. Und kein bißchen schlagfertig oder spontan. Aber Mario Barth ist immer gut gelaunt. Durchaus ansteckend. Vielleicht auch ein Grund seines Riesenerfolges.

    Fazit
    Machen wir es kurz: Der Film ist nur etwas für eingefleischte Mario Barth-Fans. Und da es davon Hunderttausende, wenn nicht Millionen, gibt, wird diese DVD trotz aller nicht vorhandenen Qualität der nächste Erfolg für den Berliner. (DvB [3])

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