Ein Heldendurcheinander
Es gab lange keine Serie mehr, bei der ich bei jeder Episode auf die Nächste gespannt war. "Heroes" [1] mit seiner Vielzahl an "Helden", die im Serienverlauf uns bekannt werden, faszinierte mich rasch aufgrund der Dynamik, seiner eleganten Optik und der für eine Serie hochwertigen Tricks. Dabei brachte es Serienentwickler Tim Kring gar fertig, dass man den Überblick nicht verlor und einem die einzelnen Figuren ans Herz wuchsen. Nach der durch den Autorenstreik betroffenen 2. Staffel, der Bewahrung New Yorks vor dem atomaren GAU sowie der vorübergehenden Rettung vor dem Shanti-Virus geht es nun in die dritte Runde.
Heroes - Staffel 3.1
USA - 2008 |
| Veröffentlichung: 07.01.10 |
| Regie: Allan Arkush, Greg Beeman, Sergio Mimica-Gezzan, David Von Ancken, Anthony Hemingway, Daniel Attias, Jeannot Szwarc, Greg Yaitanes, Holly Dale |
| Darsteller: Hayden Panettiere, Jack Coleman, Sendhil Ramamurthy, Masi Oka, James Kyson Lee, Milo Ventimiglia, Greg Grunberg, Ali Larter, Adrian Pasdar, Zachary Quinto, Kristen Bell, Jessalyn Gilsig, Jimmy Jean-Louis, Robert Forster, Eric Roberts, Brea Grant, Dania Ramirez, George Takei, Malcolm McDowell u.a. |
| "Nochmal"-Faktor: mittel - wg. wildgewordener Drehbuchautoren
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| Unsere Wertung: 65% |
| FSK: 16 |
| Laufzeit: 534 min |
| Sprachen und Tonformate: Deutsch /Englisch Dolby Digital 5.1 / Audiokommentare Englisch Dolby Digital 2.0 |
| Bildformat: 16:9, 1,78:1 |
| Untertitel: Deutsch, Englisch |
Extras:
• Audiokommentare für alle Episoden (ohne Untertitel)
• Deleted Scenes zu allen Episoden (m. UT)
• Der Prop-Master - Die Requisiten der Helden
• Die Superkräfte von "Heroes" [2] - Der Stuntkoordinator
• Fertigstellung einer Szene
• Die Rekrut-Webisoden
• Tim Sales' Bildschirmkunstgalerie
• Pinehearst-Werbespot
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Bekanntlich ist die dritte Staffel einer jeder Serie die unter Umständen schwierigste Aufgabe für die Drehbuchautoren. Die ursprünglichen Ziele der Serie, Aufbau der Figuren, der Geschichte und Spannung sowie deren Auflösung sind im Wesentlichen bereits aufgezeigt. Selbst bei einer Serie wie "Heroes", wo die Hintergründe bewusst verschleiert werden. Nachdem die ursprünglichen Gespenster der ersten beiden Staffeln ausgeschaltet sind, muss nun in der Tiefe nachgeforscht werden. Dabei verfolgten die aktuellen Drehbuchautoren das Muster: Irritiere den Zuschauer, sodass ihm nicht langweilig wird!
Und hier liegt die Tücke. Bei einer Serie, bei der man stets den Eindruck hat, dass weder die Drehbuchautoren noch die Darsteller wissen, wie sich ihre Figur schon in der nächsten Episoden entwickeln wird, muss man jede einzelne Folge verfolgen - sonst ist man hoffnungslos verloren aufgrund der vielen Frontwechsel, die sich zwischen den eigentlich "guten" Helden und selbst unter den "bösen" Helden ergeben. Mitleid für Sylar? Ihr werdet es erleben - Zachary Quinto spielt es sogar schlüssig und gut. Die Petrelli-Brüder plötzlich verfeindet? Leider unglaubwürdig entwickelt.
Die Cheerleaderin Clair Bennet (Hayden Panettiere: "Stripes" [3], "Zurück im Sommer" [4]) hasst auf einmal ihren Ziehvater Noah Bennet (Jack Coleman: "Kingdom Hospital" [5])? Man kann es kaum glauben. Zumal RTL2 sich wieder einmal einen Rückfall in alte Unverschämtheiten leistete und einfach nach einem daraus resultierenden Quoteneinbruch die Serie kurzfristig einfach um eine Stunde später auf 23.00 Uhr verlegt. Als ob dadurch die Quoten besser würden! Hatte man nun eine Episode verpasst, so verlor man völlig den Überblick.
Vor allen Dingen störten mich die ständigen Zeitsprünge, die gerade erlebtes Unglück und bereits verstorbenen Helden und Schurken wieder aufstehen ließen. Die übelste Idee war es noch den eigentlich bereits vor Beginn der ersten Staffel verstorbenen Vater Arthur (B-Movie-Legende Robert Forster, "Lucky Number Slevin" [6]) der Petrelli Brüder als Oberschurken faschistischen Ausmaßes von den Toten auferstehen zu lassen, der nun nach schönstem Gutdünken allen die Superkräfte aussaugt und sich - als bestes Opfer - gleich einmal seinen jüngeren Sohn Peter Petrelli (Milo Ventimiglia: "Gilmore Girls") vornimmt. Sein Ziel: die Weltherrschaft dank genmanipulierter Superhelden.
Dabei fängt die 3. Staffel - wie zum Ende der 2. Staffel vorgezeichnet - gleich mit einem Knaller an: eine brünette Claire im Matrix-Outfit stellt mit vorgehaltener Waffe ihren Onkel Peter aus der Zukunft - kenntlich durch eine Schwerthiebnarbe quer durch's Gesicht - und schießt auf ihn, damit "der Kampf" ein Ende hat. Doch Peter kann wie Hiro die Zeit anhalten, entwaffnet Claire und "springt" in die Jetztzeit, wo er mit dieser Waffe Nathan (Adrian Pasdar, "Near Dark" [7]) umbringt, als dieser gerade von den "Heroes" in einer Pressekonferenz verkünden will. Denn damit hätte die Verfolgung der "Anderen" überhaupt erst begonnen.
Zynischerweise setzt er damit indirekt erst diesen Prozess in Gang, weil Nathan dank der Selbstheilungskräfte Claires, die auch der Peter der Jetztzeit besitzt, überlebt und sich nach einer gewissen Entwicklung gegen die Heroes wendet. Auf der anderen Seite schafft es Sylar sich in einer grauenvollen Szene, die man nun auch erstmals auf DVD bewundern darf, der Kräfte der "unkaputtbaren" Claire zu bemächtigen. Tatsächlich dient dieser Schritt jedoch seiner im folgenden harrenden Läuterung, die kaum einer der anderen Helden nachvollziehen kann. Sarkastischerweise wird später ausgerechnet Noah Bennett ihn als "Partner" zugeteilt bekommen, da Angela Bennett (Cristine Rose, "Charmed", "Picket Fences") offenbart, dass auch Sylar ihr Sohn sei...
Und wer jetzt nicht noch genug verwirrt ist, dem sei nur berichtet, dass Hiro sich gegen seinen Sidekick Ando stellen wird und nach dem Opfertod der "heißen" Superwoman Nickie (Ali Larter, "Resident Evil: Extinction" [8], "Final Destination") mit Persönlichkeitsstörung nun doch tatsächlich ein Drilling namens Tracy auftaucht, die mit ihren manipulativen Fähigkeiten und Frost-Kräften gesteuert von einem mysteriösen Gouverneur (Bruce Boxleitner, "Babylon 5", "Agentin mit Herz", "Snakehead Terror" [9]) Nathan zur Präsidentschaft steuern soll.
All diese Entwicklungen werden bereits in den ersten beiden Episoden dieser Staffel aufgezeichnet: dabei steckt viel Interessantes, aber auch Verwirrendes. Wenn man sich den an der Grenze zur Unverständlichkeit (man meint ständig "Beavis & Butthead" zu hören) gehaltenen Audiokommentar hört, stellt man jedoch fest, dass Produzent und Drehbuchautor absolut begeistert von ihrem verstörenden Konzept sind, dass sie auf jeden Fall durchpeitschen wollen. Immer nur mit dem Fokus auf ein junges Zielpublikum, dem der Hitscore wichtiger ist als eine annähernd logische Storyentwicklung.
Darüber hinaus gibt der Audiokommentar jedoch wichtige Informationen über den Dreh, die Sets, das Colour-Design und die Tricktechniken. Für jede Episoden sind entfallene Szenen beigesteuert, die zum Teil recht witzig geworden sind, wenn z.B. die Töle Mr. Snuggles zähnefletschend seine Herrin Claire verteidigen will und Sylar einfach seine telekinetischen Fähigkeiten nutzt, um ihn rückwärts durch die Katzenklappe zu befördern. Sehr aufschlussreich und ausführlich ist ein ganzer Handlungsstrang um den "schwarzen Riesen" Knox, dem nur durch die Ängste anderer Superkräfte gelingen. Auch werden in interessanten Features wie der Führung des "Prop-Masters" durch die "Goldene Kammer" der Requisiten so manche Geheimnisse gelüftet - ebenso wie bei der Veranschaulichung der Stunts. Die immer wieder von Amazon kolportierten englisch-sprachigen Titel der Extras führen jedoch in die Irre.
Das Bild wird in satten Farben stets von starken Kontrasten und Gegenlichteinstellungen bestimmt. Der Ton ist rundvolumig und der mitunter ironisch bis sarkastische Score passt zur Serie. Die Tricks und Stunts sind allesamt sehr gelungen, wobei vieles erst ungeschnitten auf der DVD zur Geltung kommt. Manche Episoden wirkten dadurch bei TV-Ausstrahlung auf mich z.T. recht unlogisch. Dennoch sind einige der Folgen recht spannend geworden. Aber der rote Faden ist allzu zerfasert worden.
Fazit:
Die 3. Staffel "Heroes" könnte für viele Fans der Scheideweg werden. Einige lieb gewordene Charaktere wie z.B. Suresh reagieren geradezu gegen ihre Natur, während neue interessante Figuren wie "Speedster" Daphne (Brea Grant) viel zu ambivalent gezeichnet werden. Wenn die Serie neue Fans gewinnen und alte Anhänger behalten will, sei den Machern eine freiwillige Selbstbeschränkung anzuraten. Unter allzu viel Wendungen leidet die Glaubwürdigkeit. Immerhin kann man per DVD nun alle Logik- und Informationslöcher bekämpfen, die RTL2 zu verschulden hat. Aufgrund der umfangreichen Extras und der brillianten Technik ist DVD-Steelbox zwar noch für absolute Fans erstrebenswert, aber der ersten Staffel hatte ich bezeichnenderweise 100% gegeben - da sind 65% in erster Linie dank der Technik und Extras ein herber Absturz.
(kh [10])
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