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Der Doktor und das liebe Vieh - Staffel 7

Beiträge / Komödie
geschrieben von klaus_h am 17.09.2010, 00:00 Uhr

Thanks, Mr. Herriot and Mr. Farnon!

Umschlag-Cover Um das besagte Sommerloch zu füllen, hatte ich mir die letzte DVD-Box "Der Doktor und das liebe Vieh" [1] ausgeliehen. Waren doch in der letzten Zeit die Veröffentlichungen des entsprechenden Vertriebes "an uns vorbeigegangen". Zu meinem Vergnügen stellte sich die Bildqualität gegenüber den älteren Folgen deutlich verbessert dar und mit einer längeren Talkrunde sowie einem im deutschen Sprachraum noch nie gezeigten Weihnachtspecial ist die Box überraschend umfangreich ausgestattet.

Der Doktor und das liebe Vieh - Staffel 7
GB - 1990
Veröffentlichung: 07.09.09
Regie: Michael Brayshaw, Steve Goldie, Richard Martin
Darsteller: Christopher Timothy, Robert Hardy, Peter Davison, Lynda Bellingham, Jean Heywood, John Sharp, Margaretta Scott, Teddy Turner, James Grout u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch, insb. wg. der Extras
Unsere Wertung: 94 %
FSK: 6
Laufzeit: 756 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 4:3, 1.33:1
Untertitel: Deutsch (tw.)
Extras: • Weihnachtsspecial "Brotherly Love" (ca. 95 min, OmUT )
• Interview/Talkrunde "Stars United": Lynda Bellingham, Carol Drinkwater, Robert Hardy, Christopher Timothy, Regisseur Patty Marr, Vet/Technical Advisor Jack Watkinson, und den Produzenten Judith Holder sowie Mary Ramsay - präsentiert von Dale Winton, 2005 (ca. 56 min)
Lernten wir in der ersten Staffel noch James Herriots (Christopher Timothy, "Doctors") holperigen Anfänge in der rustikalen Landarztpraxis Siegfried Farnons (Robert Hardy, "Die Ohrfeige" [2], "Palast der Winde" [3], "Shackleton" [4], "Harry Potter und der Feuerkelch" [5]) in Darrowby in den Yorkshire Dales Mitte der 1930er Jahre kennen, als die Tiermedizin allmählich die grassierenden Tierseuchen in den Griff bekam, so befinden wir uns nun in der ersten Hälfte der 50er Jahre. Am kauzigen Verhalten von den Landwirten wie Mr. Biggins (John Sharp) oder Pratt (Ken Wynne) scheint sich jedoch nicht viel geändert zu haben: Stetes Klagen über die "modernen Methoden", die einem ja nur viel kosten würden, gab es immer...

Beispiel Doch all die liebgewordenen Figuren geben einem ja das in TV-Serien so wichtige Gefühl der Geborgenheit und Heimatverbundenheit. Dass Mrs. Pumphrey (Margaretta Scott) eigentlich rein rechnerisch gar keinen Pekinesen namens "Tricky Woo" mehr haben könnte, lässt man allerdings bequemerweise unter den Tisch fallen. "Tricky" ist wohl einer der wenigen Serienhunde, der es in einem Stück auf gefühlte 25 Jahre gebracht hat - von Lassie und Rin Tin Tin einmal abgesehen. Zur allgemeinen Gaudi büchst er diesmal "Onkel Herriot" aus und hinterlässt den eigentlich verbitterten Chauffeur Hodgekin (Teddy Turner) Mrs. Pumphreys hocherfreut und sturzbesoffen...

Da James und Siegfried zwar noch im Skeldale House praktizieren, aber dort nicht mehr wohnen, möchte Siegfried bei der Heimkunft seines jüngeren Bruders Tristan (Peter Davison, "Dr. Who" [6], "Death in Paradise – Staffel 3" [7]) ihn "gut versorgt und umhütet" sehen. Daher engagiert er voreilig und hinter dessen Rückkehr eine Haushälterin. Zunächst ist Tristan aufgrund dieser Bevormundung tödlich beleidigt, aber als er diese aufsucht, öffnet ihm eine junge hübsche Witwe die Türe. Daraufhin ist er selbstverständlich Feuer und Flamme, aber leider auch Opfer einer Namensverwechslung - die junge Lady trägt zwar den richtigen Namen, ist aber die Schwiegertochter der von Siegfried engagierten Haushälterin Mrs. Alton (Jean Heywood).

Beispiel Überhaupt: "Tristan und die Frauen" bzw. "... und das liebe Geld" zieht sich wie ein roter Faden ebenso durch die Geschichten wie Siegfrieds joviale Schlitzohrigkeit und Bevormundung "seines kleinen Bruders". Während James früher den ausgleichenden Pol spielte, kommt hier jedoch hin und wieder seine Lust zum Streichespielen durch, wenn er die Briefe "altverflossener, heiratssüchtiger Liebschaften" an Tristan fingiert. Neben all den humorigen Geschichten gibt es jedoch auch jene mit Tiefgang, wie z.B. jene über den etwas aus der Bahn gekommenen Tierarztkollegen, Ewan Ross, der nach dem Tod seiner Frau das Geschäft schleifen und sich in Naturalien bezahlen lässt. Wie Siegfried ihm letztlich doch zu einer einträglichen Stellung verhilft, erweist sich als doppelt schwieriger Weg.

Dass die Serie derart lange erfolgreich lief, hatte damals die Darsteller und das Produktionsteam überrascht. Allerdings waren sie ebenso perplex, als man die Serie schließlich einstellte. So war niemandem bewusst, dass der letzte Take tatsächlich die letzte Einstellung war. Aber irgendwie müssen sie schon etwas geahnt haben, da immens viele Nebendarsteller, die in der 1. Staffel 1978 eine Rolle spielten, hier 1990 wieder auftauchten. Umso erfreulicher, dass man im Kontext der TV-Serie "Stars United", die Serienstars vergangener Jahre in einer Talkunde vereint, auch nahezu alle Hauptdarsteller vor die Kamera bringen konnte. Der Moderator wirkt zwar etwas pomadig und stellt zum Teil abgedroschene Fragen, lässt die Schauspieler eingerahmt von Bildern oder Filmausschnitten aber immerhin interessante Anekdoten beisteuern und länger zu Wort kommen.

Beispiel So erfahren wir also, dass Siegfried die Serie beinahe platzen ließ, als er erfuhr, dass man nicht in Yorkshire drehen wollte, er die Prüderie, den selbst in den Büchern vorkommenden abendlichen Umtrunk der Tierärzte, ab Staffel 2 einzuschränken, nachvollziehbar lächerlich fand, Helen 2 (Lynda Bellingham) viel lockerer ist als in der Serie, bei der sie ihre Angora-Pullover, albernen Kostüme, Frisuren und Torpedo-BHs "hasste" und die schmutzigsten Witze am Set erzählte, James sein "typecast" zwischenzeitlich verfluchte, Helen 1 (Carol Drinkwater) es inzwischen mehr genießt als Buchautorin wiedererkannt zu werden - und sich alle prächtig untereinander verstehen und die Abwesenheit "Tristans" sowie den frühen Tod "Mrs. Halls" (Mary Hignett) bedauerten. Auch der tierärztliche Berater Jack Watkinson, dem alle Darsteller und die Authentizität der Serie viel zu verdanken haben, ist Gast der Show.

Während "James" (Christopher Timothy) alter Ego Alf Wight zufrieden mit seiner Darstellung war, blieb die echte Joan aka 'Helen' reserviert und der reelle "Siegfried" namens Donald Sinclair mochte seine Darstellung überhaupt nicht, obwohl er mit Robert Hardy schließlich fast befreundet war. Aber das lag wohl daran, dass er ihn zu gut getroffen habe, meint dieser verschmitzt. Bei dem Weihnachtspecial, dass der Vertrieb in der Addition der Lauflänge vergessen hat, hat man zwar nur den O-Ton, kann aber hier den schottischen Akzent Herriots und das nicht minder schwer verständlichen Yorkshire-Englisch mit Untertiteln genießen.

Fazit:
Ein runder und gelungener Abschluss einer angenehm nostalgischen TV-Serie, die bis dato keinen würdigen Nachfolger gefunden hat. (kh [8])



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