"Deutschland wurde 1933 von den Eskimos besetzt"
Die "Nürnberger Prozesse" sind allseits bekannt. Dort wurde die Führungsriege der Nazi-Regierung für ihre kriminelle Taten vor Gericht gestellt und musste sich verantworten.
Weniger bekannt ist es, dass auch hohe Juristen vor Gericht gestellt wurden. Im sogenannten "Nürnberger Juristen-Prozess" wurden insgesamt 16 Juristen unter anderem wegen "Verbrechen an der Menschlichtkeit" belangt. 10 davon wurden schuldig, 4 unschuldig gesprochen (einer beging Selbstmord, ein anderer stand wegen Verhandlungsunfähigkeit nicht vor Gericht). An diesem Prozess orientiert sich der Film und erzählt eine vereinfachte Geschichte von den Geschehnissen.
Das Urteil von Nürnberg USA 1961 |
| Veröffentlichung: 24.05.2004 |
| Regie: Stanley Kramer |
| mit: Spencer Tracy, Burt Lancaster, Richard Widmark, Marlene Dietrich, Maximilian Schell, Judy Garland, Montgomery Clift, Werner Klemperer u.a. |
| "Nochmal"-Faktor: Mittel. Gute Schauspieler in einem guten Drama, der manchmal etwas "overplayed" rüber kommt, aber die Grenze nicht überschreitet |
| Unsere Wertung: 85% |
| FSK: ab 12 |
| Laufzeit: ca. 178 Min. |
| Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Französisch, Italie-nisch, Spanisch - Mono |
| Bildformat: 4:3, leichter Schmutz und eine Klebe bzw. Riss Stelle, dem Alter des Filmes entsprechend gut. |
| Untertitel: Französisch, Niederländisch, Finnisch, Griechisch, Rumänisch, Englisch für hörgeschädigte |
| Extras: Keine |
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Ernst Janning wird angeklagt. Einer der Väter der Weimarer Verfassung - und später Justizminister unter Hitler. Was für ein Gegensatz. Aber auch Friedrich Hofstetter, Emil Hahn und Werner Lampe sitzen mit ihm vor dem Kadi. Alles hochrangige Juristen unter der Nazi Herrschaft.
Der Film befasst sich mit diesem Prozess, versucht aber auch die Situation in Deutschland in der direkten Nachkriegszeit zu zeigen. Ruhig und mit Einsatz skizziert der Film die Situation und konzentriert sich dafür in erster Linie auf die Eindrücke des amerikanischen Richters Dan Haywood (Spencer Tracy).
Dabei trifft der nach eigenen Worten "Provinz-Richter" auf die Witwe Bertholt (Marlene Dietrich), dessen Ehemann, ein General der Wehrmacht, kürzlich erst zum Tode verurteilt und erhängt wurde, und die jetzt versucht, Gutes zu tun. Ob für sich selbst, um den Anschein zu wahren, oder weil sie tatsächlich die Greueltaten des NS-Regimes wiedergutmachen will sei dahin gestellt.
Er trifft natürlich auch auf den engagierten Anwalt Rolfe (Maximilian Schell, der einen Oscar für diese Rolle bekam), der in seinem Eifer die Unrechtsjustiz der Nazis wiederholt. Und er trifft auch eine unbekannte schöne Nürbergerin, mit dem er ohne Worte flirtet, und die sich von ihm mit einem freundlichem "Auf Wiedersehen, Opa" verabschiedet - was dem betagten Juristen nun dann weniger gefällt.
Und nun besetzen die Sowjets die Tschechoslowakei und starten die Berlin-Blockade. Unter diesen Umständen werden die alten Honorationen des Nazi Regimes gebraucht, um gegen die Sowjetunion zu kämpfen. Darf man in so einem Fall solche Menschen überhaupt schuldig sprechen? Eine schwierige Situation, in der sich Richter Haywood befindet.
Mit perfekter Handwerklichkeit zeigt Stanley Kramer die Situationen, die Gefühle und das allgemeine Gefühl eines Deutschlands in einer Zeit, in der man versuchte so zu tun, als ob nur ein paar Verrückte an der Regierung mit den Greueltaten zu tun gehabt hätten.
Diese perfekte Inszenierung wird unterstützt von der hervorragenden Arbeit der Schauspieler, deren Liste sich wie ein Auszug aus dem "who is who" der (amerikanischen) Schauspieler der Zeit liest. Von Judy Garland über Maximilian Schell bis hin zu Burt Lancaster und darüber hinaus ist die schauspielerische Arbeit hier eine Augenweide und für die, die den Originalton wählen auch ein Ohrenweide. Übrigens hat William Shatner (aka James Tiberius Kirk) eine kleine Nebenrolle.
Und doch sitzen wir hier vor einem perfekt inszenierten politischen Film, wie sie Stanley Kramer immer wieder herstellte (siehe auch "Wer den Wind sät"). Was den guten Eindruck des Filmes nicht schmälern soll, sondern nur zur Vorsicht mahmen will. Zum einen ist der Film nicht historisch korrekt (was er auch nicht sein will), zum anderen kommt er manchmal etwas übertrieben daher. Er will einen Standpunkt darlegen und dem Zuschauer nahe legen. Manchmal winkt er dafür mit dem Zaunpfeil. Doch schon die Tatsache, dass er immer wieder Details anspricht (wie den damals herrschenden "Rechtspositivismus" aka "Gesetz ist Gesetz, ein Jurist hat nicht zu prüfen, ob er auch gerecht ist"), überwiegt den Zaupfeilen bei einigem.
Dieser Film ist Minute für Minute ein Genuss. Für jeden Fan guter Filmkunst eine Kaufempfehlung. (aks [1])
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Noch was - Auch wenn der Film Parallelen zum Nürnberger Juristen-Prozess von 1947 aufzeigt, so sind die Personen hier fiktiv. Wer mehr über den echten Nürnberger Juristen-Prozess [3] erfahren möchte, der folge den Link.
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