Doppelt hält besser
Mit Fortsetzungsfilmen ist das so eine Sache: Matrix 1, 2, 3 bedeutet ja nicht unbedingt eine Steigerung, oder? Aber diesmal ist alles anders. Kill Bill Vol. 2 ist keine Fortsetzung, es ist die zweite Hälfte eines Werkes, das nie hätte zerrissen werden dürfen. Erst mit dieser Vervollständigung kann meine alte Tarantino-Liebe wieder voll erwachen.
Kill Bill Volume 2
USA 2004 |
| Veröffentlichung: 9.9.2004 |
| Regie: Quentin Tarantino |
| mit: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Daryl Hannah, Gordon Liu u.a. |
| "Nochmal"-Faktor: mittel |
| Unsere Wertung: 85% |
| FSK: ab 16 |
| Laufzeit: ca. 131 Min. |
| Sprachen und Tonformate: Deutsch dts 5.1 und Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1 |
| Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph) mit guter Qualität |
| Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Spanisch |
| Extras: Making of, Auftritt der Band Chingon, 1 gelöschte Szene |
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Wie das so ist mit Filmen, die in der Hälfte einer Story anfangen: Zuerst muss denen, die die erste Hälfte verpasst haben, erklärt werden, "was bisher geschah". Das erledigt Regisseur Quentin Tarantino (Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown) wie in der schönsten Fernsehserie. Und als Kapitel 6, das "Massaker von Two Pines", sehen wir Kapitel 1 aus Vol. 1 wieder, nur diesmal in voller Länge und komplett verständlich: Wie Bill (David Carradine in der Rolle seines Lebens, trotz Kung Fu und The Long Riders) die Hochzeitskleidskostümprobe seiner schwangeren Ex- Freundin Beatrix "The Bride" Kiddo (Uma Thurman, Pulp Fiction, Gattaca, Batman & Robin) mit Hilfe seiner vier Freunde von der Deadly Viper Assassination Squad sprengt und der Braut eine Kugel in den Kopf jagt. Dass die Braut überlebt und sich in Teil 1 schon an zwei der fünf Killer gerächt hat, wissen wir ja schon, nicht wahr?
Nun soll als nächstes Opfer der Rächerin Budd dran sein, Bills kleiner Bruder, gespielt von Michael Madsen (Species, Reservoir Dogs, Donnie Brasco). Doch der erweist sich als zählebiger als gedacht, jagt Kiddo eine Ladung Steinsalz in die Brust und begräbt die mit einer zusätzlichen Spritze Betäubte bei lebendigem Leib - nicht nur, um ihr in Vol. 1 vom Meister Hattori Hanzo gefertigtes Samurai-Schwert an Elle (Daryl Hannah aus Splash, Blade Runner und Wall Street) für eine Million Dollar verkaufen zu können. Während Kiddo so in ihrem Sarg liegt, sehen wir in einer Rückblende, wie Bill ihr am romantischen Lagerfeuer mit Flöte die Geschichte von Pei Mei erzählt. Der wurde von einem Mönch nicht zurückgegrüßt und erfand daraufhin die tödliche 5-Finger-5-Schritte-Herzzerreißmethode. Auf solche Ideen kommt eigentlich nur einer: Tarantino.
Ob Kiddo sich aus dem Sarg befreit, warum Budd sein Geld nicht bekommt und ob Bill am Ende gekillt wird, werde ich euch nicht verraten. Eher verrate ich euch, dass ich die Produzenten des Films, die Gebrüder Weinstein, für Kunstbanausen halte. Sie waren es, die für die Zersägung des Werkes in zwei Hälften aus kommerziellen Gründen verantwortlich waren. Ihre gerechte Strafe haben sie aber schon erhalten: Die Kritiken (auch meine) zu Vol. 1 waren nicht so 100% wie man es von früheren Tarantinos gewohnt war. Kein Wunder. Erst durch die zweite Hälfte wird die außerordentlich abwechslungsreiche, amüsante und außergewöhnliche Story wirklich sichtbar. Etwas kindische Metzel-Effekte in Vol. 1 werden im Zusammenhang erträglicher, in Vol. 2 gibt es zudem nur noch wenig davon. Dafür sind die optischen Effekte generell absolut 1a. Wieder ist es Tarantino gelungen, ein paar Innovationen zum filmsprachlichen Repertoire dazu zu erfinden.
Unübertroffen bleibt auch sein Einsatz von Musik. Für Kill Bill hat er sich zum ersten Mal Originalmusik schreiben lassen von seinem Freund Robert Rodriguez, und auch die ist mehr als gelungen. Wie immer bei Tarantino ist der zitatartige Einsatz von Hits aus den 70ern aber das Sahnehäubchen. Fast ausnahmslos alle Schauspieler erleben in diesem Film den Karrierehöhepunkt: Thurman und Carradine sowieso, aber auch Leute wie Madsen und Hannah, denen man so große Vielseitigkeit nie zugetraut hätte.
Die Extras sind etwas mager für so ein außergewöhnliches Werk, das gibt Punktabzug. Es gibt nur ein Making of (26 Min.), das zu weiten Teilen ein Interview mit Tarantino und den wichtigsten Schauspielern sowie eingestreuten Filmausschnitten ist. Der Zwei-Song-Auftritt der Band Chingon auf der Premierenfeier zum Film mit Robert Rodriguez an der Gitarre und eine aus der endgültigen Filmfassung gelöschte Szene, in der Bill einige Feinde blutig beseitigt, machen das Kraut auch nicht fett.
Fazit: Vielleicht ist es besser, auf das Kill Bill Vol. 1 + 2 Komplett-Set zu warten, denn ein Film macht ohne den anderen keinen Sinn und keinen Spaß. Aber für Fans von Tarantino, Thurman oder Carradine, die schon Teil 1 besitzen, ist Teil 2 ein absolutes Muss. (pk [1])
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