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City of God

Beiträge / Drama
geschrieben von Aleks_A am 19.11.2003, 00:00 Uhr

Gangs of Rio de Janeiro

CoverCopacabana, Garota de Ipanema, Sonne, Zuckerhut... Oder fällt euch zu Brasilien was Anderes ein?

Zehn Punkte für diejenigen, die auch an korrupte Polizisten und extreme soziale Ungleichheit gedacht haben, weitere zehn Punkte für die, die auch an Favelas (brasilianisch für Vorort, Slum) dachten und an kriminelle Jugendbanden

City Of God
Brasilien 2002
Veröffentlichung: 20.11.2003
Regie: Kátia Lund, Fernando Meirelles
mit: Jonathan Haagensen, Alexandre Rodrigues, Roberta Rodriguez Silvia, Leandro Firmino da Hora u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch. Beim zweiten Mal anschauen machte mir der Film noch mehr Spaß als beim ersten Mal. Auch die Extras wird man sich wohl mindestens ein Mal antun
Unsere Wertung: 90%
FSK: ab 16. Manche Szenen sind wirklich so beklemmend inszeniert, dass ein Gespräch mit den jugendlichen Zuschauern während oder nach dem Film empfehlenswert erscheint
Laufzeit: ca. 128 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch DD 5.1 und DTS 5.1, Portugiesisch (mit starken brasilianischen Dialekt) DD 5.1
Bildformat: 1,85:1 in 16:9. Satte Farben, sehr gutes Bild auch bei dunklen Szenen
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Making Of
Brasilianischer Trailer
Musikclip "Batucada Remix"
Darsteller- und Crewinformationen, sowohl im Interview wie auch als Text
(sammelt 1.000 Punkte und ihr kommt in die Verlosung einer Insel der Glückseligkeit, falls wir jemals eine finden).

Immerhin hat dieser Film einigen Zuschauern solche Begriffe näher ins Bewusstsein gebracht. Beileibe aber nicht so Vielen, wie die Qualität des Filmes verdient.

Erzählt wird von der Favela "Cidade de Deus" (=Stadt Gottes) außerhalb Rio de Janeiros von den 1960ern bis ungefähr zum Ende der 1970er. Die Geschichte wird uns aus der Sicht von Buscapé präsentiert (Luis Otávio als Kind, Alexandre Rodrigues als Jugendlicher), dessen Traum es ist, Presse-Photograph zu werden, und der unter anderem deswegen nicht kriminell geworden ist, weil er nicht dafür gemacht ist - seine Versuche enden kläglich, ohne dass er sich getraut hätte, die Waffe zu zücken. Er lebt jedoch mitten in "Gottes Stadt", entsprechend ist ein Kontakt mit den kriminellen Gangs unvermeidbar (sein Bruder gehörte zu einer solchen). Er wird der Erzähler der Geschichte(n) und entsprechend unser Führer durch die Favela.

Locke und BenéEs geht um zwei Gangs und ihre Anführer: "Locke" (Leandro Firmino da Hora) und "Bené" (Phellipe Haagensen) auf der einen Seite und "Karotte" auf der anderen. Sie sind mit dem Verkauf von Hasch und Koks groß geworden und haben ihre Reviere abgesteckt. Doch Locke ist ein egomanischer Psychopath, der Spaß am Töten und an Gewalt empfindet und "Karotte" gerne aus dem Weg schaffen würde. Er wird von "Bené" immer wieder beruhigt, doch als "Bené" eines Tages getötet wird, bricht der Bandenkrieg aus...

Regisseur Fernando Meirelles behauptet in einem der Extras, er würde sich keine Gangster-Filme anschauen. Ich habe keinen Grund, an seinem Wort zu zweifeln. Doch die Art, wie diese (wahre) Geschichte erzählt wird erinnert an Tarantino (Pulp Fiction), Bryan Singer (The Usual Suspects), Kurosawa (Rashomon) oder Straczinsky (Babylon 5). Wie bei Tarantino werden die Zeitstränge der Geschichte nicht in einer Linie erzählt. Wie bei den "...Suspects", "Rashomon" oder "Babylon 5" sieht man bei "City of God" [1] mehrfach eine Szene aus verschiedenen Blickwinkeln und bekommt teilweise immer wieder neue Einsichten. Und wie bei "Babylon 5" könnte der eine Charakter, denn man vor 10, 20 oder 30 Minuten nur kurz gesehen hat, gerade jetzt eine wichtige Rolle haben.

Letztendlich ist "City Of God" ein Mafia- bzw. Gangster-Film. Es ist eine andere Mafia als die "onorabile societá", eine andere Welt, eine andere Zeit als die immer glamourös dargestellten 20er und 30er des letzten Jahrhunderts, aber trotzdem eine Mafia.

Die knapp mehr als zwei Stunden Film sind keine Minute langatmig oder langweilig. Und es macht Spaß, dieser Geschichte zu folgen. Spaß im intellektuellen Sinne, denn unter anderem durch die Kameraführung entsteht streckenweise das Gefühl, man würde ein Dokumentarfilm sehen. Bei der Thematik und den dargestellten Geschehnissen ein beklemmendes Gefühl, bei dem manche Szenen mächtig unter die Haut gehen - nichts für zart besaitete Menschen.

BuscapéWas die technische Qualität der DVD angeht: Das Bild ist gut bis sehr gut. Auch dunkle Szenen kommen gut an und sind rundum gut zu sehen. Der Ton ist sehr gut, wobei das (deutschsprachige) DTS Signal "sauberer" klingt, polierter und nicht so "echt" wie das - DD 5.1 - Originalsignal. Die Trennung der Surround-Kanäle ist beim DTS Signal auch deutlicher als beim Originalton. Wobei ich damit nicht sagen will dass das DTS Signal besser ist. Persönlich gefiel mir die Mischung im Originalton besser. "Geschmackssache" (- sagte der Affe und biss in die Seife).

Die Extras sind gut, wenn auch nicht überragend. Wir erfahren im "Making Of", wie aus Laiendarstellern (!) aus den Favelas Schauspieler gemacht wurden und wie die Arbeit zwischen den wenigen Schauspielprofis und den (Ex-)Laiendarstellern funktioniert hat. Dabei hören wir zum Glück nicht die üblichen Sprüche wie "Das Team war toll, der Regisseur war toll, und das Drehbuch das Beste was ich jemals lesen werde", sondern wir bekommen echte Einsichten in die Arbeit mit und von den Schauspielern und erleben, wie manche sich so intensiv in ihre Rolle einbrigen, dass sie nach Schlüsselszenen eine Pause brauchen, um wieder sich selbst zu finden. Ich hätte mir auch etwas über die technischen Aspekte des Films gewünscht (die Farben sind stark bearbeitet worden, zu ein paar Trickszenen hätte ich gerne Näheres gewusst) Damit will ich nicht sagen, dass das Making Of schlecht oder langweilig wäre, das ist es nicht. Mir fehlten jedoch diese Infos. Aber ich werd's überleben ;-).

Schön ist auch eine Aneinanderreihung von Interview-Teilen. Wahrscheinlich das, was im Pressepaket für das Fernsehen beinhaltet war, trotzdem stellenweise sehr interessant.

Alles in allem kann ich nach zwei Mal Film und ein Mal Extras anschauen sagen, dass sich der Film wirklich, wahrhaftig und tatsächlich lohnt, und dass man sich die DVD unbedingt kaufen oder ausleihen sollte. (aks [2])

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