Kindermord 1958
Heinz Rühmann und Gerd Fröbe spielen in der Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts Roman "Das Versprechen". Und beide haben nach meinem Geschmack hier eine Glanzrolle hingelegt. Rühmann kühl, überlegt, verzweifelt, Fröbe das berechnende, kranke, kindermordende Monster. Beide in schwarzweiß einfach sehenswert.
Es geschah am hellichten Tag Deutschland 1958 |
| Veröffentlichung: 01.12.2003 |
| Regie: Ladislao Vajda |
| mit: Heinz Rühmann, Gerd Fröbe, Siegfried Lowitz u.a. |
| "Nochmal"-Faktor: Mittel! Spannender Stoff, aber bitteres Thema! |
| Unsere Wertung: 60% |
| FSK: ab 12 |
| Laufzeit: ca. 95 Min |
| Sprachen und Tonformate: Deutsch, Hörfilmfassung für Blinde |
| Bildformat: 4:3 |
| Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte.
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| Extras: Trailer zum Hollywood-Film: "Das Versprechen" mit Jack Nicholson, Szenenfotos, Werkfotos, Premierenfotos, "Chronik eines Klassikers" (Text), Hörbuchauszug: "Das Versprechen", Biografien: Rühmann, Fröbe, Dürrenmatt.
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Dürrenmatts Roman "Das Versprechen" wurde erst nach Beendigung des Films abgeschlossen. Er endet anders als der Film und ist für meinen Geschmack viel interessanter. Damit hier aber die Spannung nicht für die verdorben wird, die weder Film noch Roman kennen, verrate ich mal nichts. Nur soviel: der Roman hat für mich das interessantere Ende.
Um was geht's im Film, bei dem der Romanautor auch das Drehbuch schrieb? Ein Kindermörder (Gerd Fröbe) tötet in immer kürzeren Abständen kleine Mädchen. Das letzte findet ein Hausierer im Wald, wird selbst verdächtig und erhängt sich aus lauter Verzweiflung. Dr. Mattei (Heinz Rühmann) von der Schweizer Kantonspolizei und eigentlich schon auf dem Weg zu einer neuen Aufgabe in den Nahen Osten, lässt der Fall nicht ruhen. Er weiß den wirklichen Mörder noch auf freiem Fuss. Als sein Nachfolger (Siegfried Lowitz) seine Meinung nicht teilt, ermittelt er auf eigene Faust. Er mietet eine Tankstelle auf der vermuteten Route des Mörders und setzt sogar die Tochter seiner Haushälterin als Lockvogel ein. Verzweifelt sucht er nach dem Verdächtigen, der schon längst das Mädchen trifft...
Die gute schauspielerische Leistung Rühmanns wird nur übertroffen von Fröbes Spielkunst. Wenn es je einen Prototyp eines Kindsmörders geben sollte, dann würde er so aussehen, wie Fröbe in diesem Film. Neben den Schauspielern ist auch die Geschichte selbst eine spannende Erzählung eines Kriminalfalls. Dabei merkt man dem Film (abgesehen vom schwarzweißen Bildmaterial) sein Alter nicht an. Nichts ist langweilig, nichts antiquiert. Alles (leider immer noch) hochaktuell! Auch ein Grund, warum der Stoff immer wieder verfilmt wurde, zuletzt mit Jack Nicholson als Mattei und dem "wirklichen" Roman-Ende.
Neben der unbestreitbaren Qualität des Stoffes sind Bild und Tonqualität vorzüglich. Kein starkes Eigenrauschen im Ton, minimaler Filmschmutz, ein wirklicher Genuss für einenn 45 Jahre alten Film. Die Extras der DVD sind auch nicht zu verachten, wenn auch nicht opulent! Es gibt reichlich Bilder und einige Infos zum Film und zu den Schauspielern. Löblich die Versionen für Blinde und Hörgeschädigte. Die Werbung (Auszug aus dem Hörbuch) ist zwar nett, aber doch eher sinnlos. Schließlich hat man ja die DVD in den Händen.
Insgesamt gehört der Film "Es geschah am hellichten Tag" [1] ins Archiv eines jeden ambitionierten Cineasten. Er ist viel besser als der eine oder andere moderne Tatort und hat überraschenderweise nichts vom schmalzigsüßen Film-Ambiente der 50er und 60er Jahre. (mg [2])
Jaques Plumeau meint dazu:
Am Anfang des Romans kommen zwei Reisende an der Tankstelle des ehemaligen Kommissars vorbei. Dieser sitzt apathisch als veraltetes Wrack auf einer kargen Holzbank und brabbelt im Absinthnebel Unverständliches vor sich hin. Der eine Reisende kennt die Geschichte dieses alten Mannes und beginnt sie dem anderen zu erzählen. So beginnt die Roman-Version des Stoffes, die auch Penn/Nicholson so verfilmt hat (nur ohne Reisende). So interessant die Variation eines Themas sein kann, gerade wenn man das Original schon gut kennt, kommt man in diesen Fall nicht umhin "Es geschah am hellichten Tag" als Filmversion besser zu finden. Der schwarze Mann, so proto- und archetypisch er hier ist, ist doch die größte Show, der beste Knalleffekt, den man hier bieten kann. Und erst recht wenn er so genial von Gert Fröbe dargestellt wird. Wie langweilig nimmt sich Nicholsons Version aus ohne Fröbe-Ersatz. Die schweizer 58-Version hat viele Vorzüge, eines davon ist die Harmonie. Er ist teilweise von so zurückgenommener Eleganz, unterschwelligen Psychologie und ausgewogener Darstellung, dass es gerade einen Höhepunkt mit folgender Katharsis benötigt, um ihn zu einen filmischen Meisterwerk zu machen. Dies ist unbestreitbar einer meiner Lieblingsfilme. Und Gert Fröbe ist Schrott. Carl Schrott.
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