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Harry Potter und der Feuerkelch - 2-Disc Edition

Beiträge / Fantas(y)tisch
geschrieben von klaus_h am 11.04.2006, 00:00 Uhr

Das Trimagische Turnier hat Folgen

Potter Ausgerechnet Mike Newell ("Donnie Brasco" [1], "Shutter Island" [2]) beschert uns die bisher düsterste Verfilmung eines "Harry Potter"-Romas. Aber das liegt am Thema: Der ominöse Feuerkelch schmuggelt doch tatsächlich den Namen unseres Helden Harry unter die Namen derjenigen Zauberschüler, die sich im tödlichen trickreichen Trimagischen Turnier miteinander messen werden. Herkules nicht unähnlich hat er seine Aufgaben zu bewältigen - und Lord "IHR-WISST-SCHON-WEN-ICH-MEINE" schlängelt sich selbstverständlich wieder durch die Story...

Harry Potter und der Feuerkelch - 2-Disc Edition
USA/GB - 2005
Veröffentlichung: 31.03.06
Regie: Mike Newell
Darsteller: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Brendan Gleeson, Robbie Coltrane, Ralph Fiennes, Alan Rickmann, Jason Isaacs, Maggie Smith, David Thewlis, Bonnie Wright, Shirley Henderson, Kenneth Williams, Richard Griffiths, Freddie Stroma, Geraldine Somerville u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, insb. aufgrund der Extras
Unsere Wertung: 93 %
FSK: 12
Laufzeit: ca. 151 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch /Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2.40:1 (anamorph)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch
Extras: • Zusätzliche Szenen (9 min)
• Gespräch mit den Schauspielern (28 min)
• Vorbereitungen für den Weihnachtsball (18 min)
• Gedanken zum 4. Film (22 min)
• Das Trimagische Turnier: Das Drachengehege (22 min)
• Das Trimagische Turnier: Der See (22 min)
• Das Trimagische Turnier: Das Labyrinth (22 min)
• drei von DVD zu spielende Geschicklichkeitsspiele
• DVD-ROM Part
Ja, jetzt ist es so weit: In Deutschland betrügt man den Fußballfan nach Strich und Faden, während im altehrwürdigen Hogwarts-Zauberer-Internat selbst der Feuerkelch Teilnehmerlisten zu manipulieren scheint. Erfahrene J. K. Rowling-Lesern ist klar, dass dahinter nur Lord Voldemort stecken kann, aber erst muss Harry einen feuerspeiernden Drachen besiegen, sowie seine Unterwasser- und Navigationsfähigkeiten (Labyrinth ohne GPS! Eh nur Mugglekram, der für Mr. Weasley interessant wäre...) unter Beweis stellen.

Madeye Moody Moment mal - war da nicht etwas, was wir und beinahe auch das Drehbuch vergessen haben? Oh ja! Die Quidditch-Weltmeisterschaften mit ihren unvergessenen Duellen der bulgarischen Tausendsassa um Viktor Krum gegen die quirligen Iren und die Auflösung des Wettbewerbs durch auftauchende Hooligans, eh Todesser! Schade - rein filmisch hätte man da mehr daraus machen können, als die zugegeben nette Umsetzung mit der morgendlichen Reise zum Austragungsort und einige unscharfe bzw. überladene Massenszenen.

Während die Schülerinnen der französischen Zauberschule Beauxbaton in ihrem tuntigen Dress einem drittklassigen Modekatalog des Woolworth-Imperiums entsprungen scheinen, hat man die Bulgarentruppe Durmstrang und ihr Unterwasserschiff doch passend eingefangen. Bei einigen Darstellern hat man angesichts der schönen Tricks insbesondere der Drachen- und der Unterwasserszenen, für die Radcliffe tatsächlich für einen Monat in den Bluebox-Unterwasser-Container gesperrt wurde, etwas Mitleid. Denn Größen wie Smith und Rickmann ("Per Anhalter durch die Galaxis" [3], "Das Parfüm" [4]) gehen leider etwas im allgemeinen Erzähltempo unter.

Harry, der Eintänzer Meine Lieblingsszene ist allerdings diejenige, in der die heulende Myrte (Shirley Henderson, "Death in Paradise" [5], "Drecksau" [6]) ausgerechnet dem nackten Harry Potter im großen antiken Whirlpool den Trick mit dem unter Wasser funktionierenden Schalltrick des goldenen Eis offenbart. Denn wie Radcliffe schamhaft seine Blöße mit Badeschaum zu verdecken sucht und die gar nicht so unbedarft geisterhafte Myrte einen Blick auf seinen Zauber-ihr-wisst-schon-was-ich-meine zu erhaschen sucht, hat schon gute darstellerische Klasse und großen Mut zur Selbstironie, die man bei jungen Darstellern selten antrifft. Auch wenn Radcliffe ("A Young Doctor's Notebook" [7]) finanziell bereits heute ausgesorgt hat und in die Filmgeschichte als der erfolgreichste "Kinderstar" nach Jackie Cogaan ("The Kid") und Shirley Temple eintreten wird, könnte man bei seinem Talent vielleicht mehr für die Zukunft erwarten.

Egal - bei den Bleiwüsten, die Rawling frei von allen Lektorsorgen dem Leser (un)regelmäßig abliefert, muss man einiges wegkürzen - allein schon wegen des Spannungsbogens. So ist das teilweise gespannte Verhältnis zwischen Ron und Harry mir persönlich im Film etwas zu eindimensional dargestellt worden, wie auch überhaupt dies derjenige der bisherigen Filme ist, bei dem sich fast ausschließlich alles nur um H.P. und nicht die viel gepriesene Freundschaft der drei Protagonisten zu drehen scheint.

Saure Meerjungfrau Der Spannung und dem Unterhaltungswert hat dies jedoch nicht geschadet, was für die Umsetzungsqualitäten des Regisseurs, seiner tragenden Darsteller, bei denen mir Brendan Gleeson ("Gangs of New York" [8], "The Guard" [9]) als Madeye Moody am besten gefallen hat (Daniel Radcliffe übrigens auch ;-), einer guten Ausstattung (Ballsaalszene) und einer innovativen Trickschmiede, die mit den bereits erwähnten Unterwasserszenen ihr Meisterstück abliefert, sprechen.

Hinzu kommen bei dieser Doppel-DVD-Edition Extras, die ich hierbei aufgrund ihrer Vielfältigkeit und ihres Umfangs loben möchte, da die Gruppeninterviews zwar vor gegenseitiger jugendlicher Begeisterung strotzen, aber dennoch zwischen den Zeilen viel Hintergründiges über die jugendlichen Hauptdarsteller offenbaren. Wenn man sieht, wie relativ bescheiden und wenig souverän Radcliffe im Gegensatz zu Watson und Grint auftritt, sagt dass schon sehr viel aus. Die umfangreichen technischen Hintergrundinformationen, die - bis auf eine (der Anlass zu Bartys Ermordung) - zu recht entfernten Szenen, die den Film noch einmal neun Minuten länger gemacht hätten, und ein graphisch aufwändiges, aber letztlich mit einer Fernbedienung kaum zu steuerndes Geschicklichkeitspiel in drei Akten, auf das ich gerne verzichten kann, runden die Ausstattung ab. Leider fehlte aus meiner Sicht der Audiokommentar.

Gift u. Galle spuckender Hornschwanz Insgesamt empfehle ich allen Lesern diese DVD, da es nahezu perfektes Popcorn-Kino mit guter Ausstattung und hohem Unterhaltungswert ist. Einige dramaturgische Kniffe mögen Geschmackssache sein, aber die gesamte Produktion hat sich entzwischen auf ein Niveau hin bewegt, dass man bei der ersten "Harry Potter"-Verfilmung kaum für möglich gehalten hätte. Mit seiner Kunst zur Straffung und Motivierung von Schauspielern ist Newell bestimmt der Richtige für die Verfilmung des überlangen 5. Buchs, auf die ich gespannt bin. (kh [10])


2670, 1553, 1117, 819, 756, 492

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