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Krimi
MR 73 - Bis dass der Tod dich erlöst
geschrieben von klaus_h am 11. Mar 2010
Marseille sehen und leiden
Wenn ein französischer Krimi in einer anderen Stadt spielt als in Paris, dann bekommt er von mir bereits einen Bonuspunkt. Zu gierig ist die "Spinne in ihrem Netz" - sagen selbst die Franzosen. Allerdings zeigt sich hier Marseille im wahrsten Sinne des Wortes als "Sin City" und mittendrin versucht der kaputteste Flic seit Jahrzehnten einen Serienmörder zu stoppen: Charakterdarsteller Daniel Auteuil ("Die Wasser der Hügel", "Clara und die tollen Typen", "Après vous - Bitte nach Ihnen!") als dreifach gebeutelter Kommissar Schneider.
MR 73 - Bis dass der Tod dich erlöst
Frankreich - 2008
Veröffentlichung: 11.03.10
Regie: Olivier Marchal
Darsteller: Daniel Auteuil, Olivia Bonamy, Catherine Marchal, Philippe Nahon u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 93%
FSK: 16
Laufzeit: 120 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Französisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Making of (56 min)
• Trailer-Show
Am Anfang des Films sehen wir einen betrunkenen Mann mittleren Alters bei der nächtlichen Busfahrt die Kontrolle verlieren. Er ist in den falschen Bus eingestiegen und verlangt nun mit vorgehaltener Waffe "nach Hause" gefahren zu werden. Ein Businsasse kann die Polizei verständigen, die mittels eines Sondereinsatzkommandos den Bus stoppt und - Kommissar Schneider verhaftet.
Dieser ist innerlich und äußerlich ein Wrack - desillusioniert von seinem Dienst bei der korrupten Polizei und verzweifelt bis zum Selbsthass aufgrund des Todes von Frau und Kind. Aufgrund seiner früheren Verdienste vertuscht die Dienstaufsicht den Skandal und versetzt ihn in die Nachtschicht bei der Beschwerdestelle. Ein reiner Bürojob, bei dem er schon nichts anstellen könne. Doch wenn Schneider nüchtern ist, kann er immer noch zu alter Form auflaufen.
Währenddessen lässt eine unfähige Berufungskommission den notorischen Verbrecher und sadistischen Sexualmörder Charles Subra (Philippe Nahon, "High Tension") aufgrund eines angeblichen Sinneswandels frei. Als eine neue Mordserie nach ähnlichem Tatmuster beginnt, wendet sich Justine (Olivia Bonamy, "Paris")an Schneider. Justine ist die traumatisierte Überlebende Subras letzten Massakers, bei dem ihre Eltern starben. Schneider stellt bei der Überprüfung der Fakten fest, dass entscheidende Indizien verschwanden.
Regisseur Olivier Marchal ("36 - Tödliche Rivalen") entwirft mit seinem Killer-Thriller, der in seinen Bildern nicht umsonst an "Sin City" erinnert, das packende Bild einer maroden Metropole, in der nur durch den unbeugsame Willen eines einzelnen verzweifelten Individuums der Glaube an die Gerechtigkeit aufrecht erhalten wird. Auteuils, der mich bisher noch nie in einer Rolle entäuscht hat, gibt diesem Heroen ein glaubhaftes Gesicht. Dass manche Bilder - wie z.B. des französischen Knasts - mehr dem Klischeerepertoire des klassischen Comics entsprungen sind, mag man dabei verschmerzen.
Fazit:
Dank Regie, der Kamera und des Hauptdarstellers auf jeden Fall sehenswert! Dieser französische Film hebt sich aufgrund seiner subtilen Entwicklung überaus positiv von vielen plakativen US-Filmen des Genres ab.