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Drama
Sisi
geschrieben von DvB am 12. Mar 2010
Sisi reloaded
„Sisi!“ „Franz!“ Das „s“ wird scharf ausgeprochen, das „r“ wird lange gerollt. Aber Vorsicht: Hier geht es nicht um die Animations-Verfilmung von Bully Herbig ("Lissi und der wilde Kaiser"), sondern um ein Remake des Filmklassikers mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm. Das ZDF zeichnet für dieses Machwerk verantwortlich. Und natürlich hat es nicht den Charme des Originals. Der Fernseh-Zweiteiler ist sogar eher richtig schlecht und überholt den Herbig-Blödelfilm teilweise in Sachen Komik. Hier ist es aber eher unfreiwillige Komik.
Sisi AUT, D, I 2009
Veröffentlichung: 08.Januar 2010
Regie: Xaver Schwarzenberger
mit: Cristiana Capotondi, David Rott, Martina Gedeck, Fritz Karl, Herbert Knaup u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr niedrig
Unsere Wertung: 25%
FSK: 12
Laufzeit: ca. 197 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9 - 1,77:1
Untertitel: keine
Extras: Trailershow
Wir schreiben das Jahr 1853, Bad Ischl ist der Ort des Geschehens. Nene soll den angehenden Kaiser Franz Joseph (David Rott) heiraten, der streng nach militärischen Maßstäben erzogen wurde und so zu einem echten Spießer wurde. Nene (Christiane Filangieri) ist schon ganz aufgeregt, als sie den Franz zum ersten Mal sehen wird. Ihre Schwester Elisabeth, genannt Sisi (Cristiana Capotondi), soll unbedingt mit auf die Reise. Die will aber eigentlich gar nicht, sondern lieber bei ihrem Vater Herzog Max (Herbert Knaup) bleiben. Und schon hier weiß der Zuschauer: Es wäre auch irgendwie besser, wenn Sisi mal schön zu Hause bleiben würde.
Denn kaum sieht Franz die lebensfrohe Sisi, schiebt er Nene beiseite und will lieber die Jüngere heiraten. Und schon wird es pathetisch. Sisi schmeißt sich theatralisch aufs Bett, etwa eine Minute, nachdem sie Franz gesehen hat. Der gesamte Weltschmerz prasselt auf die junge Elisabeth nieder. Sie kann Franz ja nicht heiraten, ihre Schwester soll den angehenden Kaiser ja ehelichen. Sie tut es aber schließlich trotzdem. Viel Überredungskünste muss Franz gar nicht anwenden. Die Erzherzögin Sophie (Martina Gedeck, "Elementarteilchen", "Der Baader-Meinhof-Komplex") ist darüber sehr erbost, dass ihr Sohn seine Heiratspläne geändert hat. Fortan wird Sisi als zukünftige Kaiserin trainiert. Und legt dabei eine recht unkonventionelle Art an den Tag.
Nach der prunkvollen Hochzeit steht aber bald der Alltag an. Sisi mag das steife Leben am Hofe nicht, Franz hat nur Kriege im Kopf. Und dazwischen steht immer wieder die Mutter von Franz, der Sisis nonchalante Art mächtig auf die Nerven geht. Doch die ist beim Volk beliebt. Und setzt diese Beliebtheit geschickt ein. Sisi nimmt erheblichen Einfluss auf die Politik Österreichs.
Regisseur Xaver Schwarzenberger ("Beim nächsten Mann wird alles anders") gab sich wirklich große Mühe – und machte alles falsch. Eine Fehlbesetzung reiht sich an die nächste. David Rott als Kaiser Franz legt dabei ein ähnlich abwechselungsreiches Minenspiel wie Steven Segal an den Tag. Martina Gedeck hätte besser die Rolle von Sisis liberal-netter Mutter anstatt der gestrengen Erzherzögin übernommen. Herbert Knaup als österreichischer Herzog Max wirkt in etwa so glaubwürdig wie Silvester Stallone als Papst. Und Cristiana Capotondi als Sisi spielt als einzige komplett in Italienisch. Irgendwie merkt man das jeder Szene an. Die Italienerin ist ja ganz nett anzusehen, aber irgendwie wirkt sie in allen Szenen, als ob sie nicht den rechten Draht zu ihren Schauspielkollegen findet.
Gedreht wurde an prunkvollen Orten, trotzdem wirkt alles wie eine Rosamunde Pilcher-Verfilmung. Das liegt vor allem an der Bildqualität, die wohlwollend ausgedrückt bestenfalls unteren TV-Standard erreicht. Auch der Ton wirkt "billig", was vor allem daran liegt, dass halt zweisprachig gedreht wurde und das geschulte Ohr natürlich sofort zwischen Synchronisation und Original unterscheiden kann. Technisch ist der Zweiteiler also auf einem bescheidenen Niveau. Dazu kommt noch, dass die DVD keinerlei Extras anbietet. Eine Ansammlung von mehr oder weniger interessanten Trailern darf nicht als Extra durchgehen.
Fazit
Fans der originalen Sissi-Filme werden bei "Sisi" die Augen verdrehen. Der TV-Zweiteiler wirkt provinziell und kein bisschen prachtvoll, im Gegensatz zum Original. Teils viel zu theatralische Schauspieleinlagen und teils viel zu starr wirkende Mimen machen das ganze nicht gerade zu einem Vergnügen. Also lieber Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm schauen, als diesen noch nicht mal lauwarmen TV-Aufguss. (DvB)
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