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Thriller
Ken Folletts Eisfieber
geschrieben von DvB am 18. Mar 2010
Tödliche Viren und Rosamunde Pilcher
Ein guter Roman braucht einen starken Titel. Ein guter TV-Zweiteiler aber auch. Und deswegen wurde aus „Eisfieber“ von Ken Follett im ZDF ganz einfach „Ken Folletts Eisfieber“. Stark und prägnant. So ganz anders als der DVD-Inhalt. Wieder handelt es sich um einen deutsch-italienischen Zweiteiler. Und wieder ist die Produktion nur mäßig gelungen. Aber hier sind im Gegensatz zu „Sisi“ wenigstens einige starke Schauspieler am Werk. Die 180 Minuten bleiben trotzdem mäßige TV-Unterhaltung.
Sprachen und Tonformate: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildformat: 16:9 - 1.77:1
Untertitel: keine
Extras: Making of
Es geht um einen gefährlichen Virus, es geht um Biochemie, es geht um Familientragödien und es geht um Weihnachten. Das sind die Zutaten aus denen Ken Follett sein „Eisfieber“ zubereitet hat. Oder das, was das ZDF draus gemacht hat. Aus der Firma Oxenford Medical wird ein hochansteckender Virus gestohlen. Der Chef der Firma Stanley Oxenford (Heiner Lauterbach mit einer mäßig inspirierten Performance) bereitet in seinem Anwesen derweil alles für die bevorstehende Weihnachtsfeier mit der riesigen Familie vor. Und ahnt noch gar nicht, was da in seiner Firma vor sich geht.
Denn der liebe Sohn Kit (Tom Schilling, "Verschwende deine Jugend", "Elementarteilchen", "Schwarze Schafe"), so etwas wie das schwarze Schaf der Familie, versucht seine Spielschulden damit zu begleichen, dass er zwielichtiges Volk in die Firma seines Vaters reinlässt. Mit fatalen Folgen. Denn die Ganoven (u.a. Matthias Brandt, "Arnies Welt") stehlen den Virus, kommen im Schneesturm aber nicht weiter. Also machen sich alle auf den Weg zum Anwesen der Oxenfords, um dort den Schneesturm abzuwarten. Kit tut so, als würde er die Gangster nicht kennen. Papa Stanley gewährt ihnen Einlass. Die brave Tochter Miranda (wie immer brav: Katharina Wackernagel, "Polska Love serenade") und die zickige Olga (nervig: Sophie von Kessel), sie sind so etwas wie die Krystle und Alexis Carrington des Zweiteilers, schöpfen Verdacht. Olga rastet aus, beschimpft die Einbrecher wegen ihres schlechten Benehmens. Und schon nimmt das Unheil seinen Lauf.
Die Schergen geben sich zu erkennen und nun gleicht das Haus eher dem Nakatomi Tower. Bleibt nur die Frage, wer John McClane sein soll. Doch die ist bald geklärt: Das ist in diesem Fall eine Frau. Antonia Gallo (Isabella Ferrari), Mitarbeiterin von Stanley Oxenford und so etwas wie die von den Oxenford-Sprösslingen nicht akzeptierte Geliebte des Vaters, naht herbei und versucht mit mehr oder weniger logischen Aktionen zu retten, was zu retten ist.
Das könnte ja alles recht spannend sein, wenn das Drehbuch nicht so gähnend langweilig und in die Länge gezogen wäre. Da werden unwichtige Nebenkriegsschauplätze aufgemacht, wie die Affäre zwischen Olgas Mann und deren Schwester Miranda. Oder die merkwürdige Romanze des Oxenford-Neffen mit einem heißen Teenie (dargestellt von der damals 15-jährigen Vivien Wolf), die anscheinend Tochter von Mirandas neuem Freund ist. Und die rennt die ganze Zeit in kurzen Hot Pants durch den Schneesturm. Anders hat der Lolita-Effekt wohl nicht geklappt.
Alles in allem ist das alles mäßig interessant. Und der Spiegel hat schon sehr recht, wenn er schreibt, dass der Seuchen-Thriller im ZDF zu einem Rosamunde Pilcher-Familiendrama mutiert. Genau das ist es nämlich. Ein reines Familiendrama, bei dem der tödliche Virus irgendwie völlig nebensächlich ist. Die todbringende Flüssigkeit ist zwar immer zugegen in einem Parfumflakon, aber irgendwie hat man das Gefühl, es würde selbst dann nichts passieren, wenn irgendjemand die Brühe trinken würde. Andererseits wartet man ständig auf den nächsten Aussetzer der um ihr Erbe fürchtenden Olga.
Die einzig akzeptablen Schauspielerleistungen sind die von Tom Schilling und Matthias Brandt. Alle anderen liefern eher Schülertheater ab. Besonders daneben liegt Anneke Kim Sarnau ("FC Venus"), die die burschikose Psychopathin mimt und dabei vollkommen über’s Ziel hinaus schießt. Der Gipfel des Skurrilen ist ihre letzte Szene. Wer lachen will, sollte sich die DVD zulegen und einfach mal reinschauen. Wer es nicht sieht, hat aber auch nicht viel verpasst. Dazu kommt, dass das ZDF es wohl qualitativ hochwertig empfindet, zweisprachig zu drehen. Die Hauptrolle hat wieder eine Italienerin, der Rest sind deutsche Schauspieler. Die Folge: Ein Misch-Masch aus Synchron- und Originalton.
Wenigstens ist das Bild von höherer TV-Qualität. Dafür nervt der Titelsong schon nach wenigen Sekunden. Und zu allem Überfluss spielt das ganze auch noch in Großbritannien. Und trotzdem hat man die ganze Zeit das Gefühl, man wäre in Oberammergau oder Mecklenburg-Vorpommern. Mensch, Mensch, Peter Kegelvic, was haben Sie da nur produziert? Dabei war er es, der Oscar-Preisträger Christoph Waltz mit der Roy Black-Story und der Verfilmung der Oetker-Entführung groß machte.
Fazit
Was ein Seuchen-Thriller sein soll, ist nur mäßig interessante TV-Unterhaltung. Kann man sich ansehen, muss man aber auf keinen Fall gesehen haben. Das kurze Making of jedenfalls lädt ebenso nicht zum DVD-Kauf ein. Dazu ist es viel zu belanglos.
(DvB)
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"Man weiß nie genau, wo man eine Schwachstelle hat, bis man darauf gestoßen wird. Unter Stress zeigt sich auch der kleinste Makel im Charakter." Ein Offizier und Gentleman