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Komödie
Scrubs: Die Anfänger - Die komplette achte Staffel
geschrieben von klaus_h am 21. Jul 2010
Schwanengesang der Krankenhaus-Sitcom
Zugegeben - für einen Fan von "Emergency Room" war "Scrubs" als bewusst abgedrehte Sitcom zunächst ein schwerer Schock und vom Prinzip her eigentlich abzulehnen. Aber im Laufe der Jahre hatte man aufgrund der hier und da aufgeschnappten Folge Gefallen an der wohl schrägsten Ärzte-Sitcom gefunden. Umso mehr freut es mich, dass nun die komplette 8. Staffel ihren Weg in meinen DVD-Player gefunden hat, da sie für die Reife dieser Serie spricht. Denn bei allem Humor hat man den moralischen Tiefgang nicht aus den Augen verloren.
Scrubs: Die Anfänger - Die komplette achte Staffel
USA - 2008
Veröffentlichung: 22.07.10
Regie: Bill Lawrence, Michael Spiller,
Ken Whittingham, Ted Wass, Gail Mancuso, Will Mackenzie, John Putch, Mark Stegemann, Michael McDonald u.a.
Darsteller: Zach Braff, Donald Faison, Sarah Chalke, John C. McGinley, Ken Jenkins, Judy Reyes, Sam Lloyd, Courtenay Cox, Neil Flynn, Betsy Beutler, Eliza Coupe, Sonal Shah, Jordan Sullivan, Kate Micucci u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 94%
FSK: 12
Laufzeit: 393 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Italienisch , Französisch Dolby Digital 2.0
Extras:
• Audiokommentare zu jeder (!) Episode
• Pannen vom Dreh
• Zusätzliche Szenen
• Alternative Dialoge
• Mein Bahamas-Urlaub
• Unsere Assistenzärzte
Auch wenn manche Hardcore-Fans allzu viel "Ernst" in der 8. Staffel reklamieren - J.D. (Zach Braff, "Garden State"), Turk (Donald Faison), Elliot (Sara Chalke, "Roseanne") und Carla (Judy Reyes) sind im doppelten Sinne erwachsen geworden und weisen dennoch alle bisherigen Neurosen auf. Direkt zu Beginn der Staffel gibt es eine entscheidende Zäsur, da Dr. Kelso (Ken Jenkins) in Rente geht und die neue Chefärztin Dr. Taylor Maddox (Courtenay Cox, "Friends") zwar bildhübsch, aber eiskalt im Abzocken des Gesundheitssystems auf Kosten der Patienten ist.
Als sie haufenweise die Tricks von J.D. und Dr. Cox (John C. McGinley, "Platoon", "Identität", "Born to be wild", "Living High - Was für ein Trip!") sabotiert, mit deren Hilfe beide hilfsbedürftige, aber zahlungsunfähige Patienten in klinischen Studien platzierten, und auch noch den Hausmeister (Neil Flynn) feuert, bildet sich gegen sie eine früher nie auszudenkende Allianz zwischen J.D, Dr. Cox und Kelsoe, der wahrlich nicht vom Krankenhaus loslassen kann (und das liegt nicht nur an den lebenslangen Gratis-Muffins, die ihm der stets unsichtbare Dennis Baseballgleich als running-gag serviert), an deren Ende ein Rauswurf (# 03 "Mein Polizeistaat") und der "Beginn einer wunderbaren Freundschaft" steht. Zumindest aus der Sicht Dr. Kelsos.
So gar nicht überraschend ist es jedoch, dass J.D. und Elliot (# 04 "Meine alte Flamme") wieder zu einander finden - zu viel unternehmen sie gemeinsam. Dass allerdings Kelso mehr oder minder den Amor spielt, ist die eigentliche Überraschung. Dennoch gibt es genügend Verwirrung zwischen beiden, wenn sich Elliot z.B. allzu viele Gedanken um # 06 "Meine tolle Liebesnacht" macht.
Dr. Cox hat als neuer Chefarzt - ein Posten zu dem man ihn buchstäblich zwingen muss - etliche Probleme, die in # 07 "Mein neue Rolle" sehr treffend karikiert werden: sei es, dass wie von Carla befürchtet alle Krankenschwestern gleichzeitig zum Dienst erscheinen, dass er seinen Lieblingspatient, den mongoloiden Greg, enttäuscht, indem er ihn an Dr. "Pubertätsflaum", den "leicht bärtigen" J.D. verweist oder gar seinen Sohn vor dem Kindergarten vergisst - letztlich lehren ihn Carla und Kelsoe, dass es ohne Delegieren einfach nicht geht.
Selbst dem ständig deprimierten Krankenhausanwalt Ted (Sam Lloyd) ist das Glück hold. Nicht nur, dass Cox ihn mehr als Mensch behandelt als das bei Kelsoe der Fall war, nein! Ted neues durch seinen durchaus hörenswerten persönlichen A-Capella-Chor bestärktes Selbstbewusstsein und seine neue Ehrlichkeit lassen ihn tatsächlich in # 08 "Mein verliebter Anwalt" das Herz einer Frau erringen.
Ein zusätzlicher Pluspunkt sind die neuen Assistenzärzte/Studenten, unter denen die strebsam-schleimige Cathy (Betsy Beutler), die allzu toughe Denise aka Christine (Eliza Coupe, J.D.'s Anspielung auf "Greys Anatomy"), die stets euphorische "Sunny" Dey (Sonal Shah), dem Nerd Howie und dem viel zu faulen Ed (Aziz Ansari), die mehrfach das alte Element der grotesken Scherze wieder aufleben lassen. Die Fans werden die Bahamas-Doppelfolge lieben und somit den Abschied J.D.s, der eigentlich "keiner" ist, verschmerzen können.
Fazit:
Ein rundum erwachsen gewordene groteske Sitcom mit überraschendem Tiefgang, guten Gags und absolut zufriedenstellenden Extras. Dabei ist das "Unsere Assistenzärzte"-Videotagebuch "Sunny" Deys eine regelrecht eigenständige Scrubs-Episode geworden. Einziger Wermutstropfen ist die Endlos-Trailer-Abfolge bei der ersten DVD vor dem eigentlichen Menüeinstieg, die gefühlte 10 Minuten dauert und beim Überspringen das Root-Verzeichnis im Laufwerk zum Brummen bringt.
Wissenswertes: Neil Flynn, Darsteller des gar nicht so unwichtigen Hausmeisters, ist der einzige der Darstellercrew, der jemals in einer "klassischen" Krankenhausserie als Gastdarsteller agierte. Bei ihm war es zumindest "Chicago Hope". Im SpinOff "Scrubs - Med School", die quasi die 9. Staffel einnimmt, spielen diverse Darsteller der ursprünglichen Serie mit. Zach Braff signalisierte nach seinen Gastspielen, dass er bei einer weiteren Fortsetzung zur Stammbesetzung gehören wolle.
(kh)