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Krimi
Der letzte Bulle - Staffel 1
geschrieben von klaus_h am 23. Jul 2010
Der Koma-Bulle aus dem Ruhrpott
Sat 1 hat es wieder nach "Alles außer Sex" geschafft mit einer Serieneigenproduktion positiv zu überraschen. Und das mit einer Serie, deren Handlung sich nach einer Mischung aus "Life on Mars", "Life", "Der Fahnder" und "Schimanski" anhört: Harter, kompromissloser Polizist der 80er Jahre fällt nach Kopfschuss 20 Jahre lang ins Koma, wacht überraschend auf und darf als Medienliebling erneut in Essen auf Verbrecherjagd gehen. Klingt nach Cultur-Clash-Klischee, funktioniert aber aufgrund des Hauptdarstellers und der launigen Fälle.
Der letzte Bulle - Staffel 1
Deutschland - 2010
Veröffentlichung: 23.07.10
Regie: Michael Wenning, Sebastian Vigg, Dennis Satin
Darsteller: Henning Baum, Maximilian Grill, Proschat Madani, Helmfried von Lüttichau, Floriane Daniel, Luise Risch, Robert Lohr u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 94 %
FSK: 12
Laufzeit: 570 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras:
• Umfangreiches Booklet mit der kompletten Auflistung aller Folgen und einer gar nicht so knappen Zusammenfassung
• Geschickte Pappbox mit Auflistung des ges. Produktionsteams, der Besetzung und Kurzbiografien
Denn der blonde Hüne Henning Baum ist nicht nur gebürtiger Essener, er bringt auch jene körper- und "bauchbetonte" Körperlichkeit und Unverfrorenheit glaubhaft mit sich, um den Macho der 80er Jahre verkörpern zu können. Da fallen selbst die unlogischen Momente kaum ins Gewicht, wenn er nach dem Koma derart schnell wieder auf den Beinen und im Dienst ist. Allerdings hat dies die "Braut" aus "Kill Bill" ohnehin unerreichbar übertroffen - sah allerdings auch dementsprechend "ausgekotzt" aus. Mick Brisgau sieht jedoch selbst im Krankenbett aus wie das blühende Leben.
Innerlich hingegen zerreisst es Mick: seine Frau Lisa (Floriane Daniel, "Winterschläfer") hat zwar 5 Jahre an seinem Krankenbett ausgeharrt, doch dann einen anderen Partner gefunden. Roland Meisner (Robert Lohr, "Der Laden", "Die Rosenheim-Cops") ist zu allem Übel noch der stocksteife Pathologe des Präsidiums, womit beide also häufig konfrontiert werden. Dass Mick also vehement seine Frau zurückhaben möchte, ist eine weitere Parallele zu "Life". Selbst seine Tochter Isabelle kennt er nur als Baby im zarten Alter von sechs Monaten.
Die andere Seite ist selbstverständlich jene Zeit und ihre Entwicklungen, die an ihm vorbei gegangen ist. Per Bertelsmann-Chronik "zieht" er sich zumindest die groben Entwicklungen per Crashkurs "hinein", um mit seinen flapsigen Schlussfolgerungen und Kommentaren, den ein oder anderen Brüller zu produzieren: "Hab' ich das richtig verstanden? Die Russen sind jetzt die Guten und die Chinesen die Bösen, weil die jetzt die größeren Kapitalisten sind?" Doch DNA, Internet, Handys und GPS sind noch viel größere Schreckgespenster, die er lachend überspielt.
Sein Chef Martin Ferchert (Helmfried von Lüttichau, der geniale Jäger aus "Tramitz & Friends") gibt ihm jovial zum Ausgleich den jungen Kollegen Andreas Kringge (Maximillian Grill, "Soko Köln") an die Hand, der als karrierebewusster Jung-Kommissar die Dienstvorschrift und den Technikglauben ständig vor Augen hat. Dass es dabei wiederholt zwischen Kringge und Brisgau kracht, ist vorhersehbar, aber immer witzig und menschelnd eingefangen, egal, ob es ums Rauchen oder das besagte Navigationsgerät geht. "Du lässt dir von einer Frau sagen, wie du durch DEINE Stadt fahren sollst?", tönt Brisgau ihm entgegen und schmeisst die Technikspielerei aus dem Fenster, als ihm Andreas vorhält, dass er nicht über den Verlust seiner Frau hinwegkäme.
Bei der gegenseitigen Entschuldigung meint Brisgau, dass er ihm ein neues Navy kaufe - dies entpuppt sich jedoch als schnöder Stadtplan. Am meisten macht sich noch die attraktive Polizeipsychologin Tanja Haffner (Proschat Madani, "Im Winter ein Jahr") ernsthafte Sorgen um Micks Innenleben. Mick zieht zwar anfangs vor, seiner "Psychotante" aus dem Weg zu gehen, merkt aber bald, dass er in Haffner und Kringge wahrscheinlich neue Freunde gefunden hat.
Die 13 Fälle sind abwechslungsreich, bieten das notwendige Lokalkolorit und originelle Tötungsmethoden. Das Ertränken bzw. Vergiften in einem mit einer Botox-ähnlichen Flüssigkeit gefüllten Tank des "Sun Valley Spa" (# 10 "Gepflegter Tod") war regelrecht "CSI" - würdig. Sender und Serienmacher waren sogar so gewitzt, die WM-bedingte "Schutzunterbrechung" mit der 8. Folge Das Runde muss ins Eckige" um einen Mord im - Schock für Macho Brisgau - Frauenfußball einzuleiten und einen erklärenden Trailer mit Henning Baum auf einer Fußballtribüne zu drehen.
Ein umfangreiches Booklet mit der kompletten Auflistung aller Folgen und einer gar nicht so knappen Inhaltsangabe sowie einer zweckmäßigen Pappboxverpackung, die mit einer Auflistung des ges. Produktionsteams, der Besetzung und Kurzbiografien der Hauptdarsteller wirkliche Inhalte bietet, ist ein vorbildliches Beispiel für eine gute Basisausstattung einer Serie, für die man nicht immer zusätzliche oder nichtsagende Extras wie Bildergalerien oder Trailer auf DVD brennen muss. Eine gute Bildqualität, überwiegend befriedigende Tonqualität, bei der lediglich dreimal die anscheinend notwendige Nachsynchronisation von Außendrehs auffällt und ein guter, zeitgemäßer Soundtrack mit vielen 80er-Jahre-Hits dank des Produktionspartners Sony Music sprechen ebenfalls für diese Serie.
Fazit:
Die momentan originellste und humorvollste deutschsprachige Krimiserie für die Ü40-Generation, die auch altersmäßig auf- und abwärts kompatibel ist. Die zweite Staffel ist angeblich in Arbeit. Ein Projekt, dem man nur die Daumen drücken kann. Von der Grundausstattung der Serie war ich für deutsche Verhältnisse positiv überrascht. Für jede weitere DVD dieser Serie wünsche ich mir jedoch noch Untertitel, ein Making of, Interviews und Outtakes, damit die Fangemeinde so richtig auf ihre Kosten kommt. Das Vermarktungspotenzial hat Sony Music auf jeden Fall mit der entsprechenden "Der letzte Bulle - die Doppel-CD mit den coolen 80er Hits der Serie" (O-Titel) erkannt...
(kh)
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Mitglied seit: Okt 03, 2004
Artikel: 19
Location:Unterföhring
Geschrieben am:29. Jul 2010 - 07:18
Hi, Klasse Rezension zu einer Klasse-Serie. Nur ein kleiner Fehler ist euch unterlaufen: Mike´s Frau hat noch nicht wieder geheiratet, will dies allerdings tun. Deshalb wurde in der letzten Folge (26.07.) auch endlich die Scheidung vollzogen.
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Mitglied seit: Aug 21, 2004
Artikel: 1372
Location:Solingen
Geschrieben am:29. Jul 2010 - 09:46
Hi,
danke Kasperle für den Hinweis, der auch den von mir angesprochenen logischen Fehler ("kann man sich wirklich vom komatösen Ehepartner so ohne weiteres scheiden lassen?) beheben konnte. Nachdem mir die drei Folgen zu Anfang gefehlt hatten, habe ich lieber kontinuierlich geschaut, anstatt direkt bei den noch beiden auszustrahlenden anzusetzen. Gleich mal in der Rezi ändern. Schön, dass du mal wieder vorbeigeschaut hast.
Grüße
Klaus
_________________ God bless the Internet.(American Pie)
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